Text-Bild-Ansicht Band 273

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Dyckerhoff berichtet ferner in der 10. Generalversammlung des Vereins deutscher Cementfabrikanten über Mittheilungen des Ingenieurs Hayter in der Civil Institution, 1887. Hayter hatte eine Betonmauer von 25 Fuſs Höhe ausgeführt, die sich nach einiger Zeit um 2½ Zoll gehoben hatte. Eine andere Betonmauer von 16 Fuſs Dicke hatte sich um ½ bis 1¼ Zoll gehoben. Der Cement war vor der Verarbeitung geprüft worden und hatte die vorgeschriebenen Prüfungen bestanden. Die chemische Untersuchung ergab, daſs der Cement gröſsere Mengen von Magnesia enthielt; nach Angabe des Analytikers war wahrscheinlich dolomitischer Kalk zur Herstellung verwendet worden.

Auf Veranlassung von Dyckerhoff wurden Proben der Mörtel, die am Justizgebäude in Kassel so groſse Treibschäden verursacht hatten, und solche von der groſsen Kirche in Kassel von Fresenius analysirt. Die Analyse erweist, daſs der von Kohlensäure und Wasser freie Cement in 100 Theilen enthielt:

a) Justizgebäude b) Groſse Kirche
Gesammt-Kieselsäure 24,3 Proc. 19,2 Proc.
Eisenoxyd und Thonerde 9,1 11,1
Kalk 39,4 41,1
Magnesia 27,1 28,4

Der an dem Justizgebäude in Kassel verwendete Cement, welcher zu dem bekannten Ministerialerlasse vom 9. September 1885 Veranlassung gegeben hatte, war also gar kein Portland-Cement gewesen! Dyckerhoff zeigt an diesen und anderen Beispielen, daſs die Normenprobe nur für Portland-Cemente, nicht aber für anders zusammengesetzte Cemente angewendet werden dürfe.

Dyckerhoff hat weitere Versuche über die Wirkung der Magnesia in Cementen angestellt und darüber in der 11. Generalversammlung des Vereins deutscher Cementfabrikanten am 24. und 25. Februar 1888 berichtet. Ein Gemenge aus 62,15 Proc. kohlensaurem Kalke, 17,2 Proc. kohlensaurer Magnesia und 20,65 Proc. thonigem Rückstände, entsprechend 12,9 Proc. Magnesia im gebrannten Cemente, wurde zur Sinterung gebrannt, dann so fein gemahlen, daſs ein 900-Maschensieb 3,7 Proc. Rückstand hinterlieſs, und mit 3 Th. Sand in bekannter Weise geprüft. Die Zugfestigkeit betrug nach

1 4 13 26 52 Wochen
17,4 21,4 21,8 22,5 15,6k/qc.

Nach 4 Wochen hatte also der Cement normale Festigkeit erlangt, die von der 26. Woche an continuirlich sank, so daſs nach einem Jahre die Festigkeit unter die 7-Tagefestigkeit zurückgegangen war. In dieser Zeit machte sich auch eine auffallende Dehnung des Cementes bemerkbar. – Frühere Untersuchungen von Schumann hatten ergeben, daſs 10cm lange Prismen aus Portland-Cementmörtel (1 : 3) sich allmählich Ausdehnen, und zwar in folgendem Maſse: