Text-Bild-Ansicht Band 273

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Portland-Cement Magnesia-Cement
Von 0 bis 1 Woche 0,0123 0,0077
1 4 Wochen 0,0051 0,0081
4 13 0,0025 0,0103
13 26 0,0029 0,0123
26 52 0,0072 0,0597

Vergleicht man diese Ausdehnungen mit den Ergebnissen der bezieh. Untersuchungen mit Magnesia-Cementmörtel, so ergibt sich, daſs die Dehnung des letzteren anfangs nicht höher ist, als bei Portland-Cement, bald aber bedeutend mehr zunimmt, und nach einem Jahre etwa das 13fache, der 7tägigen Ausdehnung erreicht. Auffallend ist die starke Dehnung in der Zeit von 26 auf 52 Wochen, sie ist in diesem Zeitraume 8mal so stark als bei Portland-Cement, und jedenfalls die Ursache der abnehmenden Zugfestigkeit. – Durch Ersatz eines Theiles des kohlensauren Kalkes in der Rohmischung durch Dolomit wurden ferner Cemente hergestellt, die 5 bis 28 Proc. Magnesia enthielten. Die nach Normen mit diesen Cementen ausgeführten Versuche ergaben, daſs nach 4 Monaten weder an den Luftproben noch an den Wasserproben Treiberscheinungen wahrzunehmen waren. Es kann also die schädliche Wirkung der Magnesia selbst bei einem Gehalte bis zu 28 Proc. nach der Normenprobe nicht erkannt werden. Dieser gibt sich auch durch die Darrprobe nicht zu erkennen. Die gesinterten Cemente mit hohem Magnesiagehalte sind eben keine Portland-Cemente und können nach deren Prüfungsweisen nicht beurtheilt werden. Es wäre daher zu empfehlen, einen bestimmten Höchstgehalt der Portland-Cemente an Magnesia festzustellen; 2,9 Proc. MgO haben bis jetzt keine schlechten Eigenschaften gezeigt. In nicht bis zur Sinterung gebrannten Cementen, sogen. Roman-Cementen, scheint die Magnesia diese schädlichen Wirkungen nicht zu haben.

Auch in Frankreich wurde der Einfluſs der Magnesia eingehend studirt. Lechartier hat denselben durch 8 Jahre an verschiedenen Bauobjekten studirt.

Während bei 400° C. entwässerte Magnesia nach kurzer Zeit mit Wasser ein Hydrat bildet, geschieht dies bei stark gebrannter Magnesia erst nach langer Zeit. Diese Erscheinung erklärt die Verderbniſs der Mörtel; die Cemente sind Gemenge von Portland mit Magnesia (Thonindustrie-Zeitung, Bd. 12 S. 299 und 565).

Candlot, der Verfasser des Werkes über Portland-Cement, kam bei seinen Studien über die verzögernde Wirkung des Meerwassers auf das Abbinden der Cemente zur Ueberzeugung, daſs die Kalksalze und insbesondere das Chlorcalcium die Ursache des langsameren Abbindens sei. – Kochsalzauflösungen (1 bis 5 Proc.) zeigten keinen bemerkenswerthen Einfluſs auf die Bindezeit. Chlormagnesium (10g auf 1l Wasser) verlangsamt wie Meerwasser das Abbinden der Cemente; dieses Salz wird in Berührung mit Cement sofort in Chlorcalcium und Magnesia umgesetzt.