Text-Bild-Ansicht Band 19

Bild:
<< vorherige Seite

sehen kann. Wasser ist so viel vorhanden, daß mit einem Fall 20 Wasch-Räder und 2 große Maschinen-Räder getrieben werden. Drei Dampf-Kessel bedienen die Aussiede- und Farbebäder, deren 16 vorhanden sind. Man nimmt an, daß in dieser Fabrik täglich Ein Tausend Stüke Kattun mittelst Maschinen gedrukt werden. Es versteht sich, daß von diesen täglich gedrukt werdenden Tausend Stüken Kattun nur der kleinere Theil gefärbt wird, der größere Theil besteht aus sogenannten Applicationsfarben, die blos aufgedrukt und ohne weitere Bearbeitung in Handel gebracht werden. Der geringste Theil der englischen gedrukten Kattune hat in Hinsicht der Farben auf Aechtheit Anspruch, und die Konsumenten sind mehr oder weniger mit diesen Erzeugnissen getäuscht.

Matthew's Sicherheit-Cabriolet.

Das Mechanics' Magazine enthält (St. 7. Januar 1826. S. 186.) eine wiederholte Empfehlung der Cabriolets, oder, wie man sie in England kennt, Gigs des Hrn. Matthew, zu welcher dasselbe sich durch die vielen Unglüksfälle mit diesem leichten zweiräderigen Fuhrwerke gedrungen fühlt. Wenn das Pferd mit einer Geschwindigkeit von 10 engl. Meilen in Einer Stunde (1 1/4 Post bayerisch, die normalmäßige Geschwindigkeit für Diligencen (Mail-Coaches) ist in England 8 englische Meilen, d.i. Eine bayerische Post, in Einer Stunde, den Aufenthalt mit einbegriffen), läuft, und strauchelt, so drükt ein Cabriolet oder Gig auf dasselbe mit einer Kraft von 20 Str., und wirft es; je besser das Pferd ist, je schneller es sich aufrafft, desto sicherer bricht die Gabel, und das Fuhrwerk wirft, mit verhältnismäßiger Gewalt, die Fahrenden um.

Hr. Matthew ließ, um diesen Gefahren vorzubeugen, die Tritte an dem Kasten, und nicht an der Gabel befestigen, und von diesen Tritten kleine Stüke aufgerollten Eisens bis einige Zoll über dem Boden hinablaufen. Wenn nun das Pferd strauchelt, wird aus diesen Eisen ein Schlitten, und der Siz, der sonst bei obiger Geschwindigkeit um Einen Fuß vorwärts fällt, fällt kaum um Einen Zoll mehr vorwärts; das Gewicht des Kastens aber fällt um zwei Drittel zurük, und wirkt so als Hebel auf die Gabel, und hilft dem Pferde auf. Ein schlechtes Pferd wird dadurch nicht gegen das Straucheln gesichert; ein gutes wird aber vor dem Niederschlagen bewahrt, wenn es strauchelt; ja ein gutes Pferd kann bei dieser Vorrichtung nicht fallen. Und wenn es fällt, so heben sich die Stangen der Gabel wieder. Auf diese Weise kann man mittelst dieser zweiräderigen Fuhrwerke auf Wegen fahren, in deren Löchern die vorderen Räder einer vierräderigen Kutsche steken bleiben müßten. Nur durch das Fällen des Pferdes werden Cabriolets unsicherer.

Weinsteinsäure in der Färberei statt Citronensäure angewendet.

Hr. Hermbstädt gibt in seinem Berichte über den Gebrauch des Johannisbeerensaftes als Stellvertreter des Citronensaftes (Verhandl. d. Gewerbs-Vereins Ocbr. S. 197.) das Verhältniß der krystallisirten Weinsteinsaure zum Citronensaft an. Nach ihm gibt ein Pfund krystallisirte Weinsteinsaure in zehn Pfund Wasser gelöst eine flüßige Säure, die dem Umfange nach 4 1/4 Quart beträgt, und viel reiner und stärker, als eben so viel des besten Citronensaftes ist. Für die Orlean und gewöhnliche Safflorfärberei vertritt die Weinsteinsaure den Citronensaft allerdings, allem in der Seidenfärberei wollen aufmerksame Färber nicht die gleichen Dienste wahrnehmen, und ziehen deßhalb den theuern Citronensaft der wohlfeilem Weinsteinsäure vor.

Ueber Destillation der fetten Körper.

Hr. Dupuy beschäftigte sich seit dem J. 1823 mit Destillation fetter Körper, und bemerkte, zuerst bei dem Lein- und Mohnöhle, daß die Temperatur