Text-Bild-Ansicht Band 21

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XXXII. Kurzer Umriß der Lebens-Geschichte des Herrn Dr. Joseph von Fraunhofer, königlich-bayerischen Professors und Akademikers, Ritters des königlich-bayerischen Civil-Verdienst-, und des königlich-dänischen Dannebrog-Ordens, Mitgliedes mehrerer gelehrten Gesellschaften etc. von Joseph v. Utzschneider.

Man hört die Menschen vielfältig klagen: der Schöpfer habe ihnen eine kurze Lebensdauer und schwache Anlagen angewiesen; allein, sie klagen mit Unrecht. Untersuchen wir die Vorzüge, mit welchen wir vom Schöpfer ausgerüstet sind, so werden wir finden, daß es uns mehr an Fleiß, und an einem wohlgeordneten Streben nach zwekmäßiger Ausbildung, als an Zeit und natürlicher Kraft fehle. Der Geist in uns muß vor Allem gewekt werden, auf daß er unsere Körper beherrsche; dann erst werden wir – an Körper und Geist gesund und stark – anstrengender Unternehmungen und größerer Handlungen fähig seyn. Wir müssen vorerst wissen, was wir wollen; alsdann wird es uns nicht unmöglich seyn, die Hindernisse unserer Ausbildung zu besiegen. Nur diejenigen Studienpläne und Erziehungs-Anstalten sind gut, welche diesen Geist in dem Schüler und in dem Zöglinge zu weken vermögen. –

Wir Bayern haben in dem Laufe dieses Monats einen Mann verloren, dessen Lebensgeschichte der Beweis liefert, daß Derjenige, in welchem dieser Geist frühzeitig lebendig wird, mit raschen Schritten seinem Ziele näher schreitet, und durch großartiges Wirken unvertilgbaren Ruhm sich erwirbt. Herr Joseph von Fraunhofer ist dieser Mann, der, ohne jemahls eine öffentliche Schule ordentlich besucht zu haben, nur deßwegen, weil der Geist in ihm vorherrschend war, in seiner Ausbildung alle Hindernisse überstieg. Fraunhofer faßte in früher Jugend den Entschluß, ein ausgezeichneter Optiker zu werden, und er ward es. Ich wünsche, daß diese Lebensgeschichte manchem Jünglinge zur Aufmunterung diene, bei gleichem Geiste in seinem Fache ein ausgezeichneter Mann zu werden. Ich schildere im nachfolgenden kurzen Umrisse Fraunhofer's allmählige Ausbildung, dessen Wirken in seinem Geschäftskreise, und die große Ausbeute an nüzlichen Kenntnissen zum Wohle der Menschheit.