Text-Bild-Ansicht Band 32

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brauchbarste Anwendung menschlicher Kraft: die Engländer allein haben seinen Rath in ihren Straf-Arbeitshäusern befolgt, und endlich auch ein Franzose, Albert, an den Krahnen auf der Seine. Veranzio empfahl die Zugbothe, (bâteaux de remorque) als Barca rimurchiante mit Ruderrädern, die vom Strome selbst bewegt werden: erst nach 300 Jahren befolgte man seinen Rath in Frankreich auf dem Rhone zuerst, und dann auf der Seine. Veranzio empfahl tragbare eiserne Mühlen; erst nach 300 Jahren hat Napoleon, der Unsterbliche, sie bei seiner Armee eingeführt. Veranzio lehrte schon vor 300 Jahren die Kasten an Reise-Wagen so hängen, wie man sie seit einigen Jahren an den Mail-Coaches in England gehängt sieht. Veranzio verbesserte den Gebrauch des allerdings schon vor ihm bekannten Fallschirmes, den aber erst dreihundert Jahre nach ihm Garnerin mit sicherem Erfolge anwendete. So groß ist die Faulheit des menschlichen Geistes, daß er 300 Jahre bedurfte, um zu Hängebrüken, zu Treträdern, zu Zugböthen, zu tragbaren Mühlen, zu bequemen Kutschen, zu Fallschirmen zu gelangen, die man ihm doch in fünf Sprachen vorgepredigt hat. Wahrhaftig, die Natur hat ihm mit Recht auf einer Seite den Affen, auf der anderen das Faulthier als seine nächsten Nachbarn in der thierischen Schöpfung zur Seite gestellt! Es wäre der Mühe werth, eine neue Auflage des 300 Jahre alten Tractates de machinis novis F. Verantii zu veranstalten; es ist nach 300 Jahren noch viel Neues darin zu finden.

Saltonstall's verbessertes Gewehr-Schloß.

Wir haben von diesem neuen Gewehr-Schlosse, welches alles unvorhergesehene Losgehen der Flinten unmöglich machen soll, bereits im XXX. Bd. S. 314 Nachricht gegeben. Das London Journal of Arts bringt jezt erst dasselbe im Jäner-Hefte S. 221, und um nichts deutlicher und besser.

Da nun jährlich wohl über 100 Menschen durch das unvorhergesehene Losgehen der Gewehre auf eine, oft jämmerliche, Weise um ihr Leben kommen (wir zählten in England allein in 2 Monaten 12 Fälle dieser Art), so wäre es sehr der Mühe werth, daß die Militär-Gewehrfabriken und die wohlhabenderen Gewehrfabrikanten überhaupt sich ein solches Gewehr von Hrn. Nathaniel Saltonstall, Jun. zu Neu-London, Connecticut, kommen ließen, und mit dem Rommershausen'schen in unserem Polyt. Journale Bd. XXIV. S. 496. verglichen, um sich zu überzeugen, welches von beiden einfacher und wohlfeiler, sicherer und bequemer ist.

Ueber Hrn. Christie's Zeichenfeder als Schreibfeder.

Ein Leser schreibt uns über Hrn. Christie's Zeichenfeder, die wir aus dem Repertory of Arts im lezten März-Hefte mittheilten, Folgendes:

„Ich verfertigte mir alsogleich eine solche Zeichenfeder, und war damit nicht bloß im Stande, so fein zu zeichnen, wie ich es bisher mit keiner Rabenfeder vermochte, und feinere und reinere Striche zu liniren, als es mir bisher mit keiner Reißfeder möglich war; sondern ich bemerkte auch sehr bald, daß, wenn man die unendlich feine Spize auf einem Wezsteine etwas zurundet, man mit einer solchen Feder besser und reiner schreiben kann, als mit keiner anderen. Die Zeilen, die ich Ihnen hier zu schreiben die Ehre habe, sind mit einer solchen Feder geschrieben, und ich darf hoffen, daß Sie an der Schönheit und Reinheit dieser Schrift nichts zu tadeln finden werden.“

„Die Vortheile einer solchen Schreibfeder sind wahrlich nicht zu berechnen. Außer dem, daß man damit schöner und reiner schreiben kann, als mit keiner anderen, wird eine solche Feder nie matt, nie stumpf; sie bedarf keines Ausbesserns, keines Schneidens, und bleibt immer gleich scharf, gleich rein, gleich gut. Ich habe mit meinem ersten Versuche mit dieser Feder gewiß mehr als 2 Bücher Papier voll geschrieben, und die Feder schreibt, wie Sie sehen, noch so rein, wie bei dem ersten Striche, den ich mit derselben versuchte. Welcher unendliche Zeitgewinn, da man nun keine Zeit mehr mit dem langweiligen Federschneiden verlieren darf!“

„Ein nicht unbedeutender Vortheil beidem Gebrauche dieser Feder ist auch noch der, daß, da die Tinte mittelst derselben etwas tiefer in die Oberfläche des Papieres gelegt wird, kein Radiren, kein Ausbringen der Tinte mit Chlor oder Sauerkleesalz so leicht möglich ist.“