Text-Bild-Ansicht Band 32

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Schuz nahm, und dieselbe vom J. 1788. bis zum J. 1815. sich so sehr in Frankreich verbreitete, daß der Oehlbau, der ehevor in Frankreich sich bloß auf den Olivenbaum beschränkte, durch den täglich häufiger werdenden Gebrauch der Argand'schen Lampe, nach Montalivet, sich bis auf einen jährlichen Ertrag von 250 Millionen gehoben hat, da man nun überall Oehl in Argand's Lampe statt der Kerzen brennt. Sogar sein Name war in Gefahr seiner Erfindung entrissen zu werden, wie Hr. Reybas in seinen bekannten Versen bemerkte:

Voyez Vous cette lampe ou, muni d'un cristal, Brille un cercle de feu qu'anime l'air vital: Tranquille avec éclat, ardente, sans fumée, Argand la mit au jour, et Quinqué l'a nommée.

Wie viele Hunderte von Lampen-Machern und Kaufleuten hat Argand, nicht bloß in Frankreich, sondern in allen großen Städten Europa's bereichert! Welche Ersparungen, welchen Genuß an dem hellen Lichte, das Er ihnen schenkte, haben so viele Tausend Familien durch ihn erhalten! Wie viele Tausende von Landleuten beschäftigen sich jezt durch ihn mit dem Baue der Oehlgewachse, deren Bau vor Verbreitung der Argand'schen Lampe beinahe unbedeutend gewesen ist! Argand starb im J. 4803, und seiner Familie blieb kein Erbtheil von ihrem Oberhaupte, das so viele Tausende bereichern half. Sein Bruder, jezt ein Greis von 90 Jahren., lebt zu Paris nur durch Unterstüzung seiner Landsleute, der Genfer: Graf Siméon hat dem Greise erst vor Kurzem, wo einige Mitglieder der Akademie sich seiner annahmen, eine Unterstüzung von 200 Franken zugewiesen.

Was die sogenannte hydrostatische Lampe betrifft, so war der Schotte Keir der Erste, der sich in England ein Patent darauf geben ließ, Salz-Auflösung zum Emportreiben des Oehles zu benüzen. Er verkaufte sein Patent dem Quaker Howard, der Hrn. Argand für jede Lampe, die er ihm verfertigte, noch ein Prämium gab Argand bemerkte Hrn. Howard, daß er früher mit Keir in Verhältniß war; daß er diesem die Idee, die Salz-Auflösung zu benüzen, mittheilte; daß er zeither aber Syrup nehme, weil dieser das Metall weniger angreift, als die Salz-Auflösung. „Ich muß Dir also,“ sagte der Quaker, „künftig jede Lampe, die Du machen wirst, doppelt bezahlen?“ und er hielt sein Versprechen auch gewissenhaft bis zum I. 1798.

Argand kehrte nach Bersoix, bei Genf, zurük, verfertigte viele solche hydrostatische Lampen, die er seinem Bruder nach Paris zum Verkaufe sandte, und denen er gedrukte Anweisungen zum Gebrauche derselben beilegte. Hieraus entstand nun Lange's melastatische Lampe und die hydrostatische der HHrn. Girard.

Argand und Keir sind also die ersten und wahren Erfinder der hydrostatischen Lampe; beide aber hatten die Erfindung noch nicht vollendet: das Oehl stieg zu langsam. Hr. Thilorier hat diesem Nachtheile abgeholfen: er ist in den Hafen eingelaufen, weil er die Erfindung allgemein brauchbar zu machen verstand.

Ueber Wollaston's Doppel-Mikroskop.

Der kürzlich verstorbene Vice-Präsident der Roy. Society zu London, Med. Dr. Wollaston, las noch am 27. Nov. 1828 einen Aufsaz über sein aus welchem das Philos. Magazine, April, 1829. S. 300 einen, eben nicht sehr deutlichen, Auszug liefert. Vielleicht kann unser vortreffliche Optiker, Hr. Niggl zu München, die hier gegebenen Andeutungen benüzen. Es heißt am a. O.

Dr. Wollaston bemerkt, daß bei allen Mikroskopen das Deutlichsehen durch jedes Licht, welches auf den Gegenstand außer demjenigen auffällt, das von dem Objectiv-Glase vollkommen beherrscht werden kann, vielmehr gehindert, als befördert wird. Er hilft diesem Uebel dadurch ab, daß er das zugelassene Licht in einem Brennpunkte sammelt, worin der Gegenstand untersucht werden muß. Zu diesem Ende bedient er sich eines stachen Spiegels, durch welchen er das Licht lenkt, und einer flach erhabenen Linse, welche dieses Licht sammelt: die Fläche Seite der Linse ist gegen den beleuchteten Gegenstand gekehrt. Er bedient sich hierzu des Ocular-Stükes an dem sogenannten Huygens'schen Stern-Teleskope, wodurch alle chromatische und sphärische Abweichung vermieden wird, und wendet dasselbe, umgekehrt, auf die Mikroskope an. Er gibt seinem Instrumente eine Fassung, die aussieht wie zwei Fingerhüte, die in einander geschraubt sind, und wovon jeder an seinem Ende mit zwei Oeffnungen versehen ist. In diesen