Text-Bild-Ansicht Band 33

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129). Wer kann in England Wein trinken, wo man für die Flasche einen Thaler Mauth bezahlen muß? Wer kann in dem armen Schweden Wein trinken? Wenn England seinen Weinzoll herabsezt, so verliert es an seiner Einnahme an Thee, der statt Weines getrunken wird, und der 100 p. C. Einfuhr bezahlt, an Brantwein und Liqueur, der 60 p. C. Steuer bezahlt, in der Staatskasse mehr als alle seine Eisenwaaren-Fabrikanten durch Ausfuhr ihres erzeugten Eisens gewinnen, wenn die Einfuhr desselben in Frankreich unter dem vorigen geringen Zoll erlaubt wird. Frankreich verliert dann jährlich 60 Millionen aus dem Umlaufe; die Hunderte von Millionen Kapital, die seit 14 Jahren auf Eisenwerke in Frankreich gelegt wurden, sind sammt allem Interesse verloren, und die Hunderttausend Eisenarbeiter sind eben so viele Bettler. Tauschhandel, Umsaz der Waare gegen Waare, von welchem die Apostel des freien Handels so viel und so schön schwäzen, ist nur dort mit wechselseitigem wahren Vortheile möglich, wo die Waare des einen Landes nicht in dem andern erzeugt werden kann. Wenn wir dem Holländer unser Holz geben und dieser uns dafür Gewürze und Kaffee, so gewinnt er, und wir gewinnen gleichfalls, indem wir beide uns Bedürfnisse durch diesen Tausch verschaffen, die keiner in seinem Lande erzeugen kann und beide bei Erlangung dieser Bedürfnisse unser Geld im Sake behalten und zu andern Unternehmungen verwenden können. Wenn wir aber dem Holländer unser Holz für seine schöne Leinwand, sein gutes Tuch, sein feines Papier etc. geben, so sind wir Esel, die man prügeln soll, bis kein Haar mehr hinter den langen Ohren sizen bleibt, indem wir schöne Leinwand, gutes Tuch, feines Papier etc. eben so gut bei uns verfertigen können, als der Holländer (und sogar noch leichter und besser, da Alles bei uns wohlfeiler ist), wenn wir anders so fleißig und so geschikt seyn wollen wie er, und eben so klug wie er, d.h. nichts in das Land einführen lassen, was im Lande erzeugt werden kann. Sobald wir Kolonialwaaren aus einem andern Staate beziehen, als aus demjenigen, in welchem wir unsere rohen Producte absezen, verlieren wir; selbst wenn ein anderer Staat diese Kolonialwaaren um die Hälfte wohlfeiler gäbe: denn wir verlieren oder beleidigen wenigstens den Käufer eines Materiales, das ohne ihn keinen Werth für uns hat, und wir verlieren unser Geld, wenn wir bei einem andern kaufen, der nie etwas von uns kauft, für ewige Zeiten mit allem Interesse. Wenn zwei Individuen gegen einander Dinge tauschen, die sie jeder gleich gut verfertigen können, wenn sie nur wollen und nicht faul sind; so treiben sie keinen Tauschhandel, sondern einen Täuschungshandel: sie täuschen sich wechselseitig über ihren eigenen Vortheil. Es ergeht ihnen wie jenen zwei Jungen, wovon der eine die Pfeife, die er sich aus dem Rohre geschnitten hatte, gegen eine Schleuder vertauschte, mit welcher er den andern gewaltig hoch werfen sah. Nachdem jeder seine neue Acquisition beschaut und versucht hatte, fand der, welcher die Pfeife eintauschte, daß er sie eben so gut selbst machen kann, obschon sie in seinem Munde nicht so laut pfeift; der andere, der die Schleuder einhandelte, fand, daß er mit derselben nicht höher wirft, als er bisher mit seinen selbst verfertigten Schleudern gereicht hat; beide reute der Tausch, und es kam zur Aufhebung des großen Tauschhandels: die Waaren wurden remittirt. Von beiden Seiten wurden Bemerkungen gemacht, und am Ende ward aus dem Tauschhandel ein Raufhandel, wie wir ihn unter den alten Buben in der Welthistorie so oft aufgeführt finden, als wir ihn auf der grünen Wiese unter kleinen Buben sehen können. Tauschhandel kann nur auf wohl verstandenem, gut berechneten wechselseitigen Interesse mit Dauer und Sicherheit zu wechselseitigem Vortheile bestehen: es muß beiden Parteien daran liegen, daß der wechselseitige Wohlstand durch den Tausch zunimmt, vermehrt wird; keiner muß am Tausche mehr gewinnen wollen als der andere. Hierauf gründet sich das im Handel allgemein gebräuchliche Wort: Freund. Ist derjenige aber mein Freund, der mir meinen Nothpfennig aus der Tasche schwäzt, seinen Commis (und wenn Staaten nichts anderes wie große Familien sind, so sind gegen Staaten die größten Fabriken Englands, Frankreichs,

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17 Franken 10 Sous. Im Jahre 1813 ward diese Tranksteuer auf 24 Franken 6 Sous erhöht, und jezt (1829. [Galignani N. 4433]) steht sie gar auf 82 Franken 3 Sous; also beinahe vier Mal höher als vor 16 Jahren. Ist es nun ein Wunder, wenn von einem Dinge, das vier Mal theurer geworden ist, und das eben nicht Lebensbedürfniß ist, um die Hälfte weniger verbraucht wird? Wer seit 1813 nicht vier Mal wohlhabender geworden ist, kann jezt nicht mehr so viel Wein trinken, wie im Jahre 1813.

A. d. Ue.