Text-Bild-Ansicht Band 33

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8) Raupen, die einmal im Wachsthume zurükgeblieben sind, können zwei Monate alt werden, und doch nicht mehr zunehmen, man mag ihnen nun Surrogat oder Maulbeerblätter auflegen. Sie nehmen allmählich ab, werden kraftloser, und sterben zulezt ohne zu spinnen.

9) Das Local zur Aufzucht soll südlich215) liegen, und die Temperatur darin gleichmäßig gestellt werden können. So nothwendig frischer Luftzutritt ist, so schädlich wird ein starker Zug. Uebelriechende und luftverderbende Gegenstände dürfen nicht in der Nähe seyn.

10) Der Wärmegrad soll nach der Ausbrütung nie über + 20° R. und nie unter + 16° betragen, es muß aber immer frische Luft gegeben werden.

11) Bei regnerischem Wetter muß man öfters im Tage einen Rauch mit Wachholderbeeren oder Wachholder-Reisig machen, wobei die Raupen gegen die Einwirkung feuchter Luft gesichert werden216).

12) Unter diesen Umständen, und wenn das Futter nicht dik, sondern spärlich aufgelegt, aber öfters erneuert wird, machen die Raupen ihre regelmäßigen Häutungen, wachsen gesund heran und spinnen sich ein.

13) Die Raupen gehen vom Surrogate auf das Manlbeerblatt, und umgekehrt von diesem auf das Surrogat, und zwar zu jeder Zeit.

14) Raupen, die von der ersten Zeit an mit Surrogat, und von der zweiten Häutung mit Maulbeerblatt gefüttert sind, werden größer und fetter als solche, die durchaus mit Maulbeerlaub gefüttert wurden217).

15) Ein Mittel, das solche wesentliche Dienste leistet, war in der Seidenzucht noch nie bekannt, und seine Folgen sind nach dem Ausspruche erfahrener Männer von nicht zu berechnendem Vortheile für ganz Deutschland218)

215)

Wir haben gezeigt, daß es nördlich liegen müsse.

A. d. R.

216)

Siehe unsere obige Bemerkung gegen das verderbliche Rauchen.

A. d. R.

217)

Wie schwer sind sie? Steht die Menge der Seide, die sie spinnen, im Verhältnisse mit dieser stärkeren Größe? Ist die Qualität dieser Seide dieselbe zu allen verschiedenen Stoffen, die man aus Seide verfertigt, wie bei gewöhnlichem Futter?

A. d. R.

218)

Er muß aber berechnet werden und die Rechnungskammer passiren, wenn er admittirt werden soll. Wir haben gezeigt, daß kein Grund zu einem Surrogate wegen der Reife oder Haarfröste da ist, indem man füglich das Ausfallen bis Mitte Junius versparen kann. Man könnte es bis Ende Julius versparen; und es fragt sich, ob bei uns, wo die lezte Hälfte des Julius, August und die ersten Tage des September gewöhnlich die schönste Zeit im ganzen Jahre sind, es nicht sogar gut wäre, wenn man es thäte. Versuche im Kleinen mit einer zweiten, Mitte Julius angefangenen, Brut sind in Bayern gut ausgefallen, und müßten auch im Großen besser gelingen, als in Italien und Frankreich, wo sie bloß deßwegen aufgegeben wurden, weil es zu heiß wird, und die Arbeit mit der Ernte und im Weingarten drängt. Da der Maulbeerbaum unser Klima so gut verträgt, daß sein Blatt besser wird, als das italiänische; da er unseren strengsten Wintern beinahe ein Jahrhundert widersteht (während die