Text-Bild-Ansicht Band 33

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Die Straße über den Mont-Cenis.

In einem äußerst lehrreichen Werke, das der k. sardinischen Regierung viele Ehre bringt, in der Raccolta delle provvisioni intorno le acque, i ponti e le strade dall' anno 1817 all' anno 1827, precedute da alcune altre di antica data. 8. Torino. 1828. p. Gius. Favale. (2 vol. 1196 pag. Lire 12.)“ lesen wir folgende Bemerkung über die Fortschritte, „welche die Kultur Europens durch erleichterte Verbindung des Südens mit dem Norden gethan hat.“ Noch im Jahr 1773 mußte ein Reisender, der aus Italien über den Mont-Cenis nach Deutschland oder nach Frankreich wollte, wenn er auch gleich ein leichtes Biroccio als Reisewagen hatte, und nur einen leichten Koffer, zwei Tage und zwei Nächte damit hinbringen, um über diesen Berg zu gelangen. Diese zwei Tage und Nächte kosteten ihm in den Einkehrhäusern und an Vorspann ungefähr 140 Franken (24 Laubthaler), und hierbei war er, ungeachtet der strengen Geseze, die die Regierung für diese Gegend eigens erlassen mußte, um Raub und Mord abzuhalten, seines Lebens und seiner Habe keinen Augenblik sicher. Jezt fährt der Reisende diese Streke, zu welcher er ehevor mit Lebensgefahr 48 Stunden brauchte, in 7 Stunden; zahlt, Statt 140 Franken, 30 Franken, und hat dabei eine militärisch geordnete Begleitung von Wegmachern. – Das ganze Straßen- und Brükenbau-Personal im K. Sardinien hat eine rein militärische Verfassung, und der Minister des Innern ist der Chef dieser Militär-Branche, und trägt ihre Uniform; der Straßenbau ist dadurch, daß er ganz militairisch geleitet wird, in Sardinien höchst einfach, wohlfeil, sicher geworden, und alle die elenden Federfuchsereien, unter welchen Straßen und Reisende in Ländern unterliegen, wo der Straßenbau den Schreibern in Bureaux überlassen ist, sind nun daselbst beseitigt. Man ist in Sardinien nichts weniger als napoleonisch; man hat sich aber überzeugt, daß der Mann, der die Straße über den Cenis in so wenigen Jahren bauen konnte, nur dadurch mit diesem Riesenwerke so schnell und so wohlfeil fertig werden konnte, daß er es militärisch und nicht schreiberisch durchführte. Man behielt daher in dem stillen und frommen Sardinien bis auf den heutigen Tag die alte gute Sitte des verhaßten Feindes. Virtus et in hoste laudanda.

Alten Gebäuden aus Stein ihre ursprüngliche leichte Farbe zu geben.

Hr. Chevalier fand, daß Statt des gewöhnlichen Abkrazens alter Gebäude aus Stein ein bloßes Abwaschen derselben mittelst einer Bürste, die in eine schwache, sehr verdünnte Hydrochlorsäure getaucht wird, hinreicht, und weit wohlfeiler zu stehen kommt. Er rechnet 12 Unzen Hydrochlorsäure auf Einen Eimer Wasser. Das schwarze Mauerwerk wird Anfangs mit Wasser, dann mit dem gesäuerten Wasser, und hierauf wieder mit Wasser gewaschen. Journal de Pharmacie, August. S. 432. (Die Salzsäure löst hier offenbar den Kalk der flechtenartigen Vegetabilien auf, die sich auf dem alten Mauerwerke ansezen.)

Vorurtheil gegen Steinkohlen in Indien.

Ein Kapitain Green nahm im vorigen Jahre 84 Chaldrons Steinkohlen nach Bombay mit. Er brachte sie dieß Jahr wieder zurük, ohne ein Stük davon abgesezt zu haben: die Hindus waren nicht zu überreden, sich derselben zu bedienen. Spectator. Galignani. 4453. (Sonderbar, daß kein Engländer in Indien sie kaufte.)

Verderben des Brantweines in zinnernen Gefäßen.

Man verführt in Frankreich, um die hohen indirecten Steuern auf Brantwein direct zu betrügen, den Brantwein als Pomeranzen-Blüthen-Wasser in verzinnten Gefäßen. Hr. Cédié, Apotheker zu Villeneuve-sur-Lot, hat gefunden, daß der Alkohol selbst, in der Länge der Zeit, stark gerüttelt, das Zinn angreift, und ein Deuteroacetat von Zinn bildet. Die längere Aufbewahrung des Brantweines in zinnernen oder verzinnten Gefäßen ist also nicht rathsam. Nach Hrn. Cédié wird Orleans mit Krapp verfälscht. (Journ. de Pharm. August. S. 419.)