Text-Bild-Ansicht Band 33

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Reifen festgehalten und in der Erde an einem geschlossenen Orte, den man die Waidstube (Bläuerei guêde) nennt, in solcher Höhe eingegraben werden, daß man sich bequem darauf lehnen kann. Der Boden dieser Küpe ist sorgfältig ausgepflastert, und sie faßt ungefähr 155 Kubikfuß.

Um die Waidküpe anzusezen, kocht man in einem Kessel Eine Stunde oder zwei Stunden lang 12 Kilogramm Kleie, eben so viel Färberröthe und eben so viel Wau (gaude) in einer hinlänglichen Menge Wassers. Den erhaltenen Absud gießt man nun in die Küpe, in welche man vorläufig zerstoßenen Indigo und 200 bis 250 Kilogramm zubereiteten gepulverten, oder wenigstens mit einem hölzernen Hammer zerklopften Waid eingetragen hat. Man dekt die Küpe mit einer starken Deke zu, um die Hize zu erhalten, und rührt (pallie) von Zeit zu Zeit, bis die Küpe den gehörigen Grad von Gährung erhalten hat; diesen kann man nur durch wiederholte Beobachtung und Erfahrung an bestimmten Zeichen kennen lernen. Man sezt hierauf, um die Gährung zu stillen, eine gewisse Menge gepülverten Kalk zu, und einige Stunden darauf kann man aus dieser Küpe färben54).

Die längere oder kürzere Zeit, welche die Küpen brauchen, um zum Färben tauglich zu werden, hängt vorzüglich von der Beschaffenheit des Waides und des Wassers ab. Zuweilen brauchen sie 15–18 Stunden; zuweilen 30, 40, 50, ja selbst 60 Stunden. Man muß darob mit dem Zusezen des Kalkes nie zu voreilig seyn; es ist besser zu viel als zu wenig zu warten. Eine gut bereitete Küpe, die gleich anfangs hinlänglich gegohren hat, läßt sich in der Folge sehr leicht führen, während Küpen, an welchen man die Gährung zu frühe unterbrochen hat, noch eine lange Zeit über häufigen Zufällen unterworfen sind.

In Werkstätten, wo man im Großen und in dunklen Schattirungen färbt, muß man die Küpe mit Indigo nachspeisen und sie regelmäßig alle zwei Tage aufwärmen.

Das Aufwärmen geschieht so, daß man das Bad aus der Küpe in einen großen kupfernen Kessel und in diesem bis zum Sieden bringt, hierauf aber dasselbe noch heiß in die Küpe zurükschüttet, in welche man vorläufig Indigo, etwas Kleie und Färberröthe gebracht hat. Der Kessel steht gleich hoch mit der Küpe, entweder in der Bläuerei selbst, oder in einem anstoßenden Gemache. Das doppelte Uebertragen geschieht mittelst Kufen, die vier Männer führen, oder mittelst einer

54)

Umständlicher findet man die Behandlung der Waidküpe in J. B. Vitalis Grundriß der Färberei etc. A. d. Franz. von Jul. H. Schultes, mit Anm. von Dr. Dingler und Dr. v. Kurrer. 8. Tübing. 1824 b. Cotta S. 206 u. f.

A. d. U.