Text-Bild-Ansicht Band 33

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der Gallerte entweder mit braunem gekochten Zuker, oder mit einem gesättigten Absude gebräunter gelber Rüben oder gerösteter Zwiebel, und sezt so viel Abschöpf-Fett oder Schmalz (sain-doux) zu, daß es auf der Oberfläche zum Vorscheine kommt118)

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So gut manchem Gesunden eine abgeschmalzene Zwiebelsuppe schmekt, so wenig können wir sie für Kranke empfehlen. Auf einer Suppe für Kranke darf auch nicht ein Aeugelchen, oder wie man sagt, eine Zinke Fett schwimmen: ein kranker schwacher Magen verträgt kein Fett, und das alte Dictum: „eine Krankensuppe soll seyn wie eine Jungfrau, wenn sie unangefochten bleiben will; sie soll keine Augen werfen,“ ist sehr wahr und richtig. Wir wollen, Statt der hier gegebenen Recepte zu Krankensuppen, unsere Bemerkungen über Krankensuppen mittheilen. Es gibt Kranke, welche so wenig als nur immer möglich, genährt werden dürfen, und bei welchen, ohne geradezu die grausame Hunger-Cur an ihnen anzuwenden, dasjenige, was ihnen als Nahrung gereicht wird, so wenig nahrhaft seyn muß, als nur immer möglich: dahin gehören Kranke mit Entzündungskrankheiten aller Art; Blutspeier aus Vollblütigkeit etc. Allen diesen Kranken ist eine Fleischsuppe Gift. Die alte hippokratische Brotsuppe aus etwas Brot in reinem Wasser gekocht, Gerste oder Hafer- oder Reiß-Grüze zu Gersten- oder Hafer- oder Reißschleim gekocht, ohne ein Atom von Creatine oder von Gallerte, ist für solche Kranke die einzige gesunde Suppe, mit welcher sie bis zur vollkommenen Genesung bedient werden müssen. Von einer solchen Suppe kostet die Portion kaum einen halben Kreuzer. Was man an diesen Kranken erspart, muß desto reichlicher auf jene verwendet werden, die durch großen erlittenen Blutverlust in Folge von Verwundungen oder Operationen, durch heftige Nervenfieber, durch physisches oder moralisches Elend in dem höchsten Zustande der Schwäche, der Erschöpfung sich befinden, die gestärkt werden müssen, und nur durch Nahrungs-Mittel, die die größte Menge von Nahrungs-Stoff in dem kleinsten Umfange enthalten und leicht zu assimiliren sind, auf eine wohlthätige Weise gestärkt werden können. Solche Kranke brauchen Kraftbrühen, von welchen ein Eßlöffel voll mehr Creatine enthalten muß, als ein ganzer Teller voll guter Tischsuppe für Gesunde, und von welchen auch nicht mehr als ein Eßlöffel voll, zuweilen nur ein Kaffeelöffel voll in Zwischenräumen gereicht werden darf. Zu einer solchen Suppe braucht man Fleisch, nicht Knochen, nicht Sehnen oder Flechsen und Häute, alles Weiße am Fleische (les parties blanches, wie die französischen Köche sagen) muß sorgfältigst ausgelöset und weggeschnitten, und bloß die rothen Fleischbündel dürfen ausgesotten werden. Aus einem Pfunde solchen rothen Fleisches (wozu man gewöhnlich zwei Pfunde aus der Fleischbank braucht) erhält man, nachdem man das Fleisch klein zerschnitten und mit einem Maße kalten Wassers zum Feuer gestellt, nach dem Abschäumen etwas gelbe Rüben, Porri, Zelleri zugethan und Alles bis auf ein Quart ungefähr eingekocht, hierauf noch durch ein Tuch, oder besser durch eine kleine Presse, ausgepreßt hat, eine Kraftbrühe, die, wie Proust mit Recht sagt, „einen Todten wieder beleben kann.“ Man versuche es, wenn man Proust und uns nicht glaubt, und reiche erschöpften Kranken solches Creatine-Extract, und man wird lernen es dem China-Extracte und jeder anderen Apotheker-Waare als gediegenes, anhaltendes, wohlthätiges Stärkungs-Mittel vorzuziehen. Es gibt ferner noch Kranke, welchen weder obige Wassersuppe, noch die Kraftbrühe (das Creatine-Extract) zuträglich seyn würde, denen selbst eine gute Fleischbrühe, wie man sie Reconvalescenten und Gesunden vorsezen kann, nachtheilig seyn würde, die selbst durch die höchst verdünnte Creatine in einer guten Tischsuppe überreizt, übernährt werden würden, wie z.B. Lungensüchtige, Kranke mit Zehrfieber, welche allerdings einigen thierischen Nahrungs-Stoff, aber keine Creatine brauchen, die das Fieber nur vermehren würde. Für diese ist nun die Suppe aus Gallerte-Auflösung eine zwekmäßige Suppe; aber nur für diese. Es ist eine allgemeine und gut gegründete Klage, daß in Spitälern, in welchen man für die Wiedergenesenden viele und gute Suppe braucht, viel Fleisch so zu sagen verwüstet wird; denn wenn der Kranke so weit hergestellt ist, daß er ein Mal Rindfleisch ohne Nachtheil essen kann, braucht er, wenn er nicht wegen chirurgischer Fälle oder wegen Hautkrankheiten im Spitale ist, nicht mehr länger dem