Text-Bild-Ansicht Band 33

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Englische Mauth-Plakereien.

Wir haben neulich das schändliche Verfahren angezeigt, welches sich die englischen Mauth-Beamten erlauben, indem sie Waaren unter dem Vorwande zurükbehalten, daß der Werth derselben zu gering angegeben wäre. Die Times, und aus diesen Galignani, N. 4465., zeigen nun aus einer offiziellen Rechnung, daß die Regierung eben so viel dabei gewonnen hätte, wenn sie die nach der Angabe ihr gebührende Mauth bezogen, und ihren Publicanen verboten hätte, solche Plakereien zu treiben, die nur zur Füllung des Beutels der Beamten, nicht aber der Staats-Casse, berechnet sind.

Mauth-Praxis in England.

Der Examiner (Galignani Messenger. N. 4447) erzählt, daß folgende neue Praxis auf der Mauth zu London Mode wird. Wenn man Waaren, die man in England einführt, richtig angibt, und die Mauth dafür gehörig nach dem Werthe bezahlt, finden die Mauth-Beamten allerlei Anstände, behalten die Waare zurük und verweisen an den Mauth-Ausschuß, vor welchem man Klage führen soll, wenn man sich beeinträchtigt fände. Wenn dieser Mauth-Ausschuß (Board of Commissioners) nun findet, daß die gehörige gesezliche Mauth richtig bezahlt wurde, befiehlt er zwar die Waare ausfolgen zu lassen, befiehlt aber zugleich, daß man dem Mauthner, der dieselbe erhielt, diejenige Remuneration bezahle, die er vom Amte erhalten haben würde, wenn er eine Mauth-Defraudation entdekt hätte. Dieß geschieht unter zehn ähnlichen Fällen wenigstens neun Mal. So geht es im liberalen konstitutionellen England zu. „Hütet euch vor Pharisäern und Zöllnern!“

Noch eine schändliche Mauth-Praxis in England.

Es wird seit einiger Zeit Sitte, Waaren die in England eingeführt wurden, um daselbst im Großen verkauft zu werden, unter dem Vorwande mit Beschlag zu belegen, daß ein zu niedriger Werth für dieselben angegeben wurde. Und wie beweist man dieß? Die Mauthner machen die Ballen auf, theilen die Waaren in kleine Partieen, und wenn sie, was auf diese Weise nothwendig geschehen muß, die Waare theurer an den Mann anbringen, als der Kaufmann, der sie einführte, sie im Werthe angab; so strafen sie lezteren als Defraudator für die Summe, um welche die Waare, in einzelnen Partieen verkauft, theurer abging, als sie im Großen, ballenweise, nie abgegangen seyn würde. Auf diese Weise ist also nicht bloß der Kaufmann, welcher einführt, sondern auch der englische Großhändler und Kleinhändler um seinen Gewinn gebracht, und manches englische Mauthamt sieht jezt aus, wie ein Jahrmarkt. Man hielt einem sehr angesehenen Großhändler für 4000 Pfd. (48,000 fl.) eingeführte Waare zurük. Man wird ihm seine Waare ausfolgen lassen müssen, er mußte indessen vier Monate lang seine Waare auf der Mauth liegen lassen. Man berechne hiernach den Schaden, den er dadurch erleidet. – Wir übergehen die Bemerkungen, mit welchen der Herald (Galignani N. 4450.) die Regierung auffordert, einem solchen Complotte von Publicanen zu steuern, bemerken aber, daß es eben so absurd als widerrechtlich ist, den Werth der Waare irgend eines Fabrikanten oder Kaufmannes bestimmen zu wollen. Der Fabrikant kann (wie es in England und Frankreich oft der Fall ist) Mittel gefunden haben, sein Fabrikat um die Hälfte wohlfeiler zu erzeugen: ist er nun Defraudator, wenn er einen um die Hälfte geringeren Werth angibt, als die Waare ehevor hatte? Ein Kaufmann kann einem Fabrikanten, der eben in Nöthen war, Waaren um ein Drittel des Marktpreises abgedrukt haben; ist er nun Defraudator, wenn er den Werth der Waare so angibt, wie er ihn bezahlte? Man sieht, wohin das falsche System der Mauthen führt.

Verschärftes Mauthgesez gegen Schwärzer im lombard. venezianischen Königreiche.

Das Schwärzen wird künftig im Regno lombardo-veneto außer der Confiscation der Waare mit einem Strafgelde, welches dem doppelten Werthe der geschwärzten Waare gleich kommt, bestraft. (Galignani. N. 4469.)