Text-Bild-Ansicht Band 37

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Rauch und Gestank sich aus der Lichtpuze entwikeln kann. Vor ihm hat ein Stahlarbeiter, Pinchbeck, solche Lichtpuzen verfertigt, zu welchen man beide Hände brauchte, wenn man das Licht mit denselben puzen und obige Zweke erreichen wollte: Hr. Gill brachte die gegenwärtige bekannte Vorrichtung an, bei welcher Eine Hand zureichte.

Sein Vater verbessert auch die Bajonett-Pistolen (Springbayonet pistols or blunderbusses), so daß mal, jezt sicher ist, daß das Bajonett auf denselben feststeht, wie man die Feder drükt und es los läßt.

Da die bisherigen Klingenproben an Säbeln alle nicht zureichten, indem auch solche Klingen, die die gewöhnlichen Proben aushielten, im Gefechte, wo Schneide gegen Schneide gehauen wird, zuweilen abgehauen werden, so richtete Hrn. Gill's Bater einen Apparat vor, in welchem eine schwere Säbelklinge mit aller Gewalt gegen die Schneide der zu probirenden Klinge, welche senkrecht gehalten wurde, geführt wurde, und es zeigte sich hier, daß manche Klinge, die allen früheren Proben widerstand, bei dieser unterlag und durchgehauen wurde.

Er verbesserte auch die sogenannten gewundenen Flintenläufe (twisted gun barrels). Statt vierekige Bänder (ribands), wie man sie technisch nennt, zu denselben zu nehmen, dachte er eine der Kanten derselben ab, so daß sie dann auf dem Cylinder aufgewunden so genau an einander paßten, daß nicht einmal Schlagloch mehr zwischen dieselben eindringen konnte. Er verfertigte die Bänder zwischen gefurchten Walzen in verschiedener Dike, so daß die dikeren Stellen die Kammern bildeten, hizte sie in einem Reverberirofen, windete sie auf und ließ sie durch einen Cylinder laufen, worauf sie geschweißt wurden. Er wikelte dann noch ein Mal eine zweite Lage Bänder in entgegengesezter Richtung auf die erste.

Nüzliche Spielereien der Nordamerikaner.

Um den Wind nicht umsonst über's Hausdach blasen zu lassen, kam ein Nordamerikaner, Hr. Mc. Coller, Hudson, Portage County, Ohio, auf die Idee, aus der Deke des Zimmers durch das Dach ein Schlot ziehen zu lassen, der sich über dem Dache in einen Cylinder endet, welcher mit Laden versehen ist, die, je nachdem der Wind von dieser oder jener Seite bläst, geöffnet oder geschlossen werden können. In diesem Cylinder dreht sich ein Rad mit horizontalen Flügeln, ungefähr wie das Rad eines Bratenwenders in unseren Schornsteinen, wenn der Wind von irgend einer Seite in den Cylinder bläst. An der Achse des Rades ist unten in der Stube ein Sieb, oder irgend eine Vorrichtung angebracht, welche dadurch in Umtrieb gesezt wird, und irgend eine leichte Arbeit verrichten kann, wozu sonst eine Menschenhand, folglich Zeitverlust, nothwendig wäre. Das Ding muß in Amerika Beifall finden, weil Hr. Mc. Coller sich am 2. Mai 1829 ein Patent darauf geben ließ. (Vergl. Franklin Journal und Register of Arts. N. 31. S. 211.)

Mundharmonika.

Die Mundharmonika (the German Aeolian-Harp) ist in England (wie wir aus dem Register of Arts ersehen [N. 30. S. 167.]), bereits der Gegenstand zweier Patente geworden. Der berühmte musikalische Instrumentenmacher, Hr. Charles Wheastone, London, Strand, S. 436 verfertigte daraus eine Art Dudelsak's (das Lieblings-Instrument der Schotten), und der Optiker, Hr. Day, in Verbindung mit dem Mechaniker Hrn. August Münch, eine Art Orgel. Wir Deutsche, bei welchen dieses kleine Instrument seit Jahren zu Hause ist, haben seit Jahren nichts dafür gethan. Wir haben vor mehreren Jahren unsere musikalischen Instrumentenmacher aufmerksam gemacht, ihre Kunst dem lieblichen kleinen Dinge zu schenken; es geschah, so viel wir wissen, bis zur Stunde nichts. In England zahlten, wie wir jezt sehen, zwei Instrumentenmacher, jeder 2000 fl., um die Mundharmonika (jeder nach seinem Gutbefinden) bearbeiten zu dürfen. Das ist der Unterschied zwischen deutschem Handwerkergeiste und zwischen englischem: dieser zahlt, daß er arbeiten darf; jener zahlt, daß er auf der Bärenhaut sich reken und streken darf, so lang er noch einen übrigen Groschen in der Tasche hat.