Text-Bild-Ansicht Band 37

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67)12) Pfingstdienstag; 13) Herz-Jesu-Fest „(dieses Herz-Jesu-Fest hat in vielen Städten und Märkten die sogenannte Herz-Jesu-Bruderschaft, deren Congregationen und Leichen wenigstens 8 Tage, in großen Städten, wo die Bruderschaft stark ist, und viele Leichen sind, wohl auch 14 Tage reine Zeit wegnimmt);“ 14) Mariä Heimsuchung; 15) Anna; 16) Laurentius „(wegen der Viehseuchen);“ 17) Bartolomäus; 18) Matthäus „(beide Apostel);“ 19) Michael; 20) Simon und Juda „(Apostel);“ 21) Aller Seelentag „(für die Abgestorbenen. An diesem Tage gehen mehr als 50,000 Thlr. Wachs nach Rußland, was auf den Kirchhöfen und in den Kirchen verbrannt wird);“ 22) Martini „(Patron der Gänse; der Gewerbsmann muß seinen Gesellen eine Gans braten lassen, damit sie ihm von diesem Tage an bei Kerzenlicht arbeiten);“ 23) Katharina; 24) Andreas; 25) Thomas „(beide Apostel);“ 26) Christabend; 27) Joh. Evangelist; 28) Unschuldige Kindertag; 29) Thomas, Bisch; 30) Sylvester; 31) der Tag des Kirchenpatrones. „(Der Hr. Verfasser hätte hier noch die Kirchweihtage und Nachkirchtage, wie man sie heißt, füglich zurechnen können.)“ Er zählt, sehr mäßig also, nur 31 sogenannte abgebrachte Feiertage.

„Ferner sogenannte halbe Feiertage, an welchen nur des Nachmittags gearbeitet wird, 10, im Ganzen 5 volle Tage.“

„Kreuztage in der Kreuzwoche und Schauer“ (i. e. Hagel-) Freitage, 4 Tage.“ „(Der Hr. Verfasser hätte auch die sogenannten schmerzhaften Freitage in der Fasten anführen können, wo mehrere Stunden des Tages verloren gehen.)“

„Zwei sogenannte Schlengeltage und Marktzeiten.“

„Obschon die sogenannten Feierabende mehr abkommen, so kann man sie doch noch immer des Jahres auf 4 Tage in Anschlag bringen.“

Die Summe dieser abgeschafften Feiertage beträgt demnach 46 Tage, und 365 Tage des Jahres verhalten sich zu 46 abgeschafften Feiertagen, wie 8 zu 1; d.h. jeder achte Tag ist ein abgeschaffter Feiertag. Der verehrte Hr. Verfasser hätte bemerken können, daß die Dienstboten und Handwerker in Bayern ehe zu vermögen sind, an einem Sonntage zu arbeiten, als an einem gebotenen Kirchenfeiertage, und daß gerade die abgeschafften Feiertage oder die abgebrachten Feiertage diejenigen sind, auf welche sie am meisten versessen sind. 68 gebotene + 46 abgeschaffte Feiertage = 114 Tage; und 365: 114:: 3 zu 1; d.h., jeder dritte Tag in dem heutigen Bayern ist ein Tag, an welchem nicht gearbeitet werden darf.

„Hieraus folgt“ sagt der Hr. Verfasser „der ganz richtige Schluß, daß, wenn ein Landwirth nur drei arbeitsfähige Personen hat, er eine derselben bloß für Nichtsthun, d.h. wegen der Feiertage, löhnen, beköstigen, und, wie es oft der Fall ist, auch noch zum Theile kleiden muß.“

Er berechnet, gewiß äußerst billig, die Kosten eines Dienstboten bei dem gegenwärtigen Preise der Lebensmittel in Bayern für das Jahr

„an Getreide auf 30 fl.
Butter und Schmalz 16 –
Gemüse 3 –
übriges Zugehör sammt Fleisch und Festtagen 5 –
Milch 3 –
––––
also für Kost 57 –
Lohn für einen Knecht 38 fl.
– – eine Dirne 18 –
––––
Mittel 28 – für Lohn 28 –
Kleidung im Durchschnitte 5 –
––––
also reiner Verlust durch die Feiertage bei drei Dienstboten 90 fl.“

Der Bezirk, von welchem der Hr. Verfasser spricht, hat auf 4 □ Meilen 1000 Familien. Er rechnete auf jede Familie 6 Köpfe, wovon aber 3 durch Kindheit, Alter oder Krankheit, zur Arbeit unfähig sind, so daß also nur 3000 arbeitsfähige Individuen übrig bleiben, wovon 750 auf die □ Meile kommen. Da aber von 3 Arbeitern, wie man oben sah, einer bloß der Feiertage wegen bezahlt wird, so fallen von obigen 3000 Arbeitern 1000 weg, und da jeder derselben 90 fl. kostet, so fällt auf eine Streke Landes von 4 □ Meilen ein jährlicher Verlust von 90,000 fl., oder auf jede Quadratmeile ein jährlicher Verlust von 12,500 fl.

Und wie kann Landwirthschaft betrieben werden, wo bei 750 Menschen auf die □ Meile eigentlich nur 500 wirkliche Arbeiter zu rechnen sind, also ungefähr 18 Tagwerk bebauten Landes auf Einen Arbeiter fallen?

Wenn man die Sonntage und die von der katholischen Kirche in Bayern 68) gebotenen Feiertage geheiligt bleiben läßt, und bloß die abgeschafften Feiertage in Rechnung bringt, so sind unter 3000 Menschen 375, die dieser abgeschafften Feiertage wegen gehalten werden müssen, und der Verlust steht noch immer zu 33,750 fl. für die Landwirthe, einen Dienstboten zu 90 fl. jährlich gerechnet.

Der Hr. Verfasser schäzt den Werth der Arbeit eines Individuums sehr mäßig auf täglich 24 kr., und findet somit, daß an Arbeitsertrag durch obige 46 Feiertage bei 3000 Menschen täglich 1200 fl., oder, dieser 46 Feiertage wegen, jährlich 55,200 fl. verloren gehen. – Wir wollen aber diese Rechnung auf ganz Bayern ausdehnen, und nur 300,000 arbeitende Menschen annehmen, die täglich 24 kr. gewinnen können, wenn sie arbeiten, so gibt dieß einen Verlust für das Land, um 46 abgeschaffter Feiertage willen, von jährlich 2,186,000 fl. Noch größer wird dieser Verlust, der durch die 46 Feiertage entsteht, wenn man den Verlust der Unterhaltungskosten der Dienstboten mit dem Verluste an Ertrag der Arbeit zusammenrechnet: nach dieser von dem Hrn. Verfasser vorgenommenen ganz einfachen Addition beträgt er nämlich bei den 1000 Familien seiner Gegend nicht weniger als 88,950 fl. Bei 50,000 Familien beträgt er 4,672,500 fl.; oder beinahe den fünften Theil der Staatseinnahme.

Sehr wahr, und in einer Sprache, die man nur in den guten alten Zeiten Bayerns, vor 15–20 Jahren, noch an der Isar zu hören gewohnt war, sagt der patriotische Hr. Verfasser:

„Wie groß ist aber erst der Nachtheil, wenn Mißwachs oder ein Unglüksjahr den Landwirth treffen? Wirklich geräth er auf den Punkt, Haus und Hof zu verlassen; es gibt nur wenige Bauern mehr, die das Verderbliche dieses Mißbrauches nicht fühlen. Allein, gegen die Gewohnheit zu handeln, ist für einen Einzelnen nicht rathsam, weil er sich der Gefahr aussezen würde, keinen Dienstboten mehr zu bekommen;69) und so verdirbt der Landwirth oder Bauer unvermeidlich, wenn dieses Uebel nicht vom Grunde ausgerottet wird. Eben so würden Fabriken und Gewerbe in solchen Gegenden unter solchen Mißbräuchen niemals aufkommen können, weil das so benöthigte Capital des Bauers die Lebens-Mittel, und diese wieder die Fabrikate so vertheuerten, daß sie mit anderen Fabriken nicht mehr zu concurriren wüßten.“

„Merkwürdig ist es übrigens in geschichtlicher Beziehung, daß selbst in den ersten drei Jahrhunderten, welche doch sehr viele Heilige geliefert haben,70) und selbst unter Karl dem Großen außer den Sonntagen, Ostern, Pfingsten und noch sehr wenigen anderen Festtagen keine Feiertage vorkamen; vielmehr glauben viele aus den Aussprüchen des heil. Augustinus, daß selbst an den Sonntagen die Enthaltungen

67)

daß die Heiligen Sebastian, Florian und Nepomuk sogenannte Octaven haben, d.h., daß sie 8 Tage lang nach ihrem Feste Nachmittags angebetet werden, und daß man seine Dienstboten und Arbeiter in diese sogenannte Octave gehen lassen muß, wenn man Glük und Segen im Hause haben will. A. d. E.

68)

Die katholische Kirche gebietet nicht in jedem Lande gleich. Oesterreich ist sehr katholisch: es hat aber zwei Kirchenfeiertage, die in Bayern roth im Kalender stehen, weniger als Bayern; weder der Josephstag noch der Johannistag (24. Juni) sind in Oesterreich Feiertage. A. d. E.

69)

Der Protestant als Fabrikant, der Wiedertäufer als Landwirth, muß seine katholischen Dienstboten diese Feiertage halten lassen. A. d. E.

70)

Nicht so viel mit Erlaubniß des Hrn. Verfassers, als die lezten 20 Jahre. A. d. E.