Text-Bild-Ansicht Band 37

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sehr natürlich, daß derjenige, der ein Brauhaus besizt, den Absaz des Biers, das er braut, d.h. in den meisten Fällen den einzigen bedeutenden Ertrag seines Gutes gern vermehrt sieht. Er wird also, je nachdem er mehr oder weniger perfidus atque malignus Caupo ist, die Mittel zum Absaze seines Bieres zu fördern suchen, oder sich wenigstens nicht sträuben, wenn er die Gelegenheit hierzu vermehrt sieht. Und eine der besten Gelegenheiten hierzu sind die abgebrachten Feiertage, die Kirchweihen, die Wahlfahrten etc. In jedem Orte, (und zuweilen ist sogar caupona, pro oppido) ist neben der Kirche das Wirthshaus, und von drei Individuen, die zur Kirche gehen, gehen gewiß zwei auch in das Wirthshaus. Sezen wir nun daß von jenen 3000 Menschen, welche oben in Rechnung gebracht wurden, nur 750 nach der Kirche in die Wirthshäuser gehen, so gibt dieß einen Ertrag für das Brauhaus von 125 fl. für jeden Kirchgang, wenn jeder nur um 6 kr. Bier trinkt, und für 46 abgebrachte Feiertage, also jährlich, 5750 fl.; eine Einnahme, die man nicht leicht gern verschmerzen wird.

Da nun die drei oben erwähnten Classen von dem höchsten Einflusse auf das Volk sind, und jede derselben in dem Maße gewinnt, als viel getrunken und wenig gearbeitet wird; da noch eine andere Classe, deren Einfluß gleichfalls nicht unbedeutend ist, sehr dabei gewinnt, wenn viel gerauft wird, und desto mehr gerauft wird, je mehr getrunken wird; so läßt sich leicht begreifen, wie die wohlthätigen und weisen Absichten der Regierung, welche die Abstellung der Feiertage und die Aufrechthaltung ihrer Geseze wünscht, von allen Seiten im Stillen untergraben und vereitelt werden. Quid leges sine moribus vanae proficiunt? So lang nicht die Regierung selbst Mores lehren kann und darf; so lang sie dieses wichtige Amt denjenigen überlassen muß, die zu der furchtbaren Ueberzeugung gelangt sind, „die Sünde ist der Weg zu Gott;“ so lang diese Classe nicht Staatsbeamter ist, und als solcher, lediglich unter der Controlle höherer Behörden steht; so lang diese Classe zweien Herren dienen darf, wovon sie nach dem Evangelium den einen hassen, und den anderen lieben muß; so lang läßt sich um so weniger Heil erwarten, als pekuniäres Interesse anderer mächtiger Classen dabei leidet, und leztere über ihre wahren Vortheile noch nicht gehörig aufgeklärt sind. Wie lang indessen dieser Unfug noch fortbestehen kann, ohne daß die Landwirthe auf die Gant kommen und die wenigen Fabrikanten, die Bayern noch hat, Bankerott machen müssen, mögen diejenigen berechnen, die es veranlaßten. Das alt bayersche Volksliedchen, aus den Zeiten wo Bayern noch eine stehende Armee von Mönchen mästete, und wo in den Klosterkellern gesungen wurde:

Sauf, Brüderl, sauf! Der Thaler geht schon drauf! Morgen kommt der Kapuziner, Bringt a Butten voll Siebenzehner etc.

wird endlich verstummen müssen; der lezte Thaler wird darauf gegangen seyn, und der Kapuziner mit seinen Siebenzehnern wird ausbleiben, wenn wir auch wieder Kapuziner in Bayern das Land nach allen Richtungen durchstreichen sehen.

Des Mechanikers Vaughan trauriges Ende.

Hr. Vaughan bezahlte am 23. Jänner laufenden Jahres ein Patent auf eine Maschine, Wasser in die Höhe zu treiben. Am 1. Mai war die Maschine fertig; allein sie entsprach seiner Erwartung nicht, und Hr. Vaughan ging, nach dem ersten Versuche mit derselben auf sein Zimmer und entleibte sich. Hätten wir bessere Patentgeseze, so wäre der Menschheit das Leben eines geistreichen Mannes erhalten worden. (Mech. Mag. a. a. O.)