Text-Bild-Ansicht Band 37

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zum Brotbaken allgemein zu verwenden, obschon sie wahrscheinlich mehrere Versuche hierüber angestellt haben werden.117)

Nur die Anwendung der Steinkohlen beim Brotbaken wollte bisher noch nicht gelingen, obschon man eigene Oefen hierzu ausdachte. Bei der ungeheueren Menge von Rauch und Ruß, die sich entwikelt, wo man Steinkohlen brennt, begreift man leicht, wie ohne Muffeln kein Bakofen mit Steinkohlen brauchbar seyn kann. Der große König sah im J. 1777, daß seine Soldaten die Wälder in Schlesien während des langen Krieges beinahe aufgezehrt hatten, und wußte, daß bei Waldenburg und Gottesberg und in Oberschlesien gute Steinkohlen vorkamen. Er wünschte daher, daß man mit Steinkohlen Brot bake, und beehrte den Kriegsminister Baron v. Heinitz mit der Ausführung dieses Wunsches.

Es wurden zwei Versuche in Schlesien angestellt: einer mit einem bleibenden, der andere mit einem tragbaren Ofen. Das Brot in dem ersteren hob sich nicht, weil er schlecht gebaut war. An dem zweiten stürzte die Deke ein, weil sie von dem Schwefel der Steinkohlen zerfressen wurde.

Baron Heinitz ließ sich dadurch nicht abschreken, und übertrug die Ausführung eines besseren Ofenbaues dem Hrn. Bergrathe Holsche. Der König genehmigte den neuen Plan desselben, und befahl die Ausführung hiervon an der Militärbäkerei zu Berlin.

Der Ofen wurde im Sommer 1780 zu Berlin unter Hrn. Bergrathes Holsche Leitung aufgeführt. Es wurden 52 Leibe Commißbrot gebaken. Die Erfahrung zeigte, daß man mit Steinkohlen Brot balen kann, wenn weder der Geruch noch der Rauch derselben in den Ofen gelangt. Indessen war dieser Ofen noch einiger Verbesserungen fähig: der Rauch sollte schneller abziehen, und der Ofen oben und unten mehr gehizt werden. Beides geschah.

Der Berliner-Ofen hatte nur Eine Muffel aus Ziegeln, die auf eisernen Stangen ruhte. Die Sohle der Muffel wurde unmittelbar

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Man darf hier nicht vergessen, daß die Anwendung der Steinkohlen auf die Eisenerzeugung in England kaum noch zwei Menschenalter alt ist, und man muß wissen, daß in keinem Lande auf Erden so schlechtes Brot und so schlechtes Bier ist, als in England. Der englische Brauer versteht allerdings die Pyrotechnik weit besser, als der bayersche Bierbrauer; indessen kann er kein gesundes und schmakhaftes Bier brauen. Der englische Baker ist unter allen Handwerkern Englands derjenige, den sein Zunftgeist am meisten herabgewürdigt hat: sein Brot ist für einen Oberdeutschen ungenießbar. Der Taglöhner zu Wien hat ein besseres, schmakhasteres, gesünderes und ohne Vergleich wohlfeileres Brot, als der reichste Lord und Bischof in England. Ein vermöglicher österreichischer Baker und ein reicher bayerscher. Brauer würde, wenn er zu London sich niederließe, und nach seiner Weise braute und bakte, in 10 Jahren leicht ein Millionär seyn können. Er würde die Engländer essen und trinken lehren; denn das kann, der Engländer auf seiner Insel noch zur Stunde nicht. A. d. Ue.