Text-Bild-Ansicht Band 37

Bild:
<< vorherige Seite

122) Wenn das Glas geblasen wird, strebt die Schwere der Masse immer gegen den Boden der Bouteille, der öfters 2 bis 3 Linien Dike hat, während der Bauch nur Eine Linie dik ist. Hr. Moet versichert, daß er in diesem Jahre, wo die Gährungsstoffe mehr thätig sind, einen außerordentlichen Verlust erleidet; 25 bis 30 Flaschen unter 100 springen, und selbst noch mehr, nach der Güte des Weines und der Schlechtheit der Flaschen. Beinahe überall sieht man unter den Haufen geborstener Flaschen den Boden ausgesprengt.123) Das Plazen der Flaschen geschieht immer mit einer starken und heftigen Explosion und einem Knalle: zuweilen springt die Flasche in hundert Stüke, und zerschlagt auch noch ihre Nachbarinnen.

Zum Beweise, daß im gehörigen Abkühlen das ganze Geheimniß guter Flaschenerzeugung gelegen ist, führt Hr. Moet ein Beispiel aus seiner eigenen Erfahrung an.

Es sind ungefähr 35 Jahre, daß Hr. Colnet, Eigentümer einer Glashütte zu Quinquangronge bei la Fère sich durch Verfertigung guter Flaschen auszeichnen wollte, und sich anbot. Hm. Moet Flaschen zu liefern, von welchen unter hundert nicht zwei springen sollten. Hr. Moet nahm das Anerbieten an, und Colnet schikte 6000 Flaschen, welche in Hinsicht auf die Schönheit des Glases und der Arbeit die schönsten Flaschen waren, die man bisher gesehen hatte. Sie wurden alsogleich mit Wein gefüllt, den man sowohl in Hinsicht auf die Gährungsstoffe, als auf die Periode der Gährung für den stärksten hielt. Zu gleicher Zeit wurden mit demselben Weine in derselben Periode 15,000 andere Flaschen aus Glashütten, die für die besten galten, gefüllte Nach einem Monate wirkte die Gährung mit einer solchen Wuth unter diesen lezteren 15,000 Flaschen, daß 30 bis 40 unter jedem Hunderte derselben sprangen. Man konnte der Verheerung nur dadurch etwas Abbruch thun, daß man die Flaschen im Keller senkrecht stellte, eine Stellung, durch welche die Güte des Weines außerordentlich leidet. Denn da der Wein den Stöpsel in dieser Stellung nicht mehr berührt, so wird der

122)

Ton nicht bloß für Secunden, sondern für Terzen mit einer Präcision bestimmt ist, die jeden Denker in Erstaunen sezen muß, warum versuchte man nicht zur Ehre, zur Erhaltung des Menschen (des Ebenbildes Gottes) eine Maschine zumachen, die aus einem ähnlich gebauten und gut berechneten Gebläse, das weder für die Glühehize des Glasofens, noch für die Arsenikdampfe desselben empfindlich ist, Glas in bestimmte Formen blast? Man sage nicht, daß dieß nicht möglich ist, denn Niemand weiß, was möglich ist, ehe er Alles versucht hat, und Niemand hat, während der Jahrtausende, als Glas geblasen wird, versucht seine eigene Lungen und die Lungen seiner Brüder zu schonen. Man arbeitete Jahrtausende lang mit dem Löthrohre, ehe man an Anbringung eines anderen Gebläses, als jenes der Lunge, dachte. Wenn man in Europa ein Glasorgelwerk lächerlich finden sollte, weil man seit Jahrtausenden daselbst noch nichts davon gehört oder gesehen hat, so wird man dasselbe vielleicht bald in amerikanischen Glashütten spielen sehen.

A. d. Ue.

123)

Warum dieß so geschieht und geschehen muß, wird der geneigte Leser aus der vorlezten Note in dem nachfolgenden Aussaze entnehmen. A. d. Ue.