Text-Bild-Ansicht Band 37

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LIX.  Miszellen.

Preisaufgabe der Société royale des Sciences, des lettres et arts de Nancy für das Jahr 1831.

Man hat bereits seit vielen Jahren die Weidenrinde als Surrogat der Chinarinde vorgeschlagen und versucht, den wirksamen Bestandtheil derselben auszuziehen. Man hat aber diese Sache nicht gehörig untersucht. Erst neuerlich gelang es Hrn. Leroux zu Vitry aus der Rinde jener Art Weide, die unter dem Namen Salix, Heilx bekannt ist, einen krystallisirbaren Stoff auszuziehen, den er Salicine nennt. Einige Aerzte schreiben diesem neuen Stoffe dieselbe Fieber vertreibende Kraft zu, welche die China besizt, und meinen, daß sie die Stelle derselben in unseren Apotheken ersezen könnte. Wenn diese Meinung gegründet wäre, so würde das Resultat derselben unermeßlich seyn; Frankreich „(und jedes andere Land)“ würde von dem Tribute befreit, den es dem Auslande bezahlt, und an die Stelle eines Arzeneimittels, das den Wäldern einer andern Hemisphäre angehört, dessen Einfuhr nicht selten unterbrochen wird, würde ein Product treten, das häufig auf unserem eigenen Boden erzeugt wird. Allein, ehe man über eine solche Meinung ein gründliches Urtheil fällen kann, muß dieselbe dem Prüfsteine einer weiteren und allgemeineren Erfahrung unterzogen werden. Es ist nicht selten der Fall, daß eine Neuerung von solcher Wichtigkeit einen unbesonnenen Enthusiasmus erregt, oder eine übertriebene Verachtung hervorbringt: nur nach einer gründlichen Untersuchung kann eine billige und kluge Würdigung eines solchen Gegenstandes möglich werden. Die Akademie schreibt daher folgende Preisaufgabe aus.

„Angabe eines wohlfeileren Verfahrens, die Salicine aus der Weide auszuziehen, als dasjenige ist, welches Hr. Leroux der Academie des Sciences, unterlegt.“

„Ausziehung der Salicine aus verschiedenen Arten von Weiden, damit man diejenige Art kennen lernen kann, welche am meisten davon liefert. Untersuchung, ob Verschiedenheit des Klimas und des Bodens auf die Menge der Salicine in einer und derselben Weidenart Einfluß hat.“ 193)

„Vergleichendes Studium der Wirkungen der Salicine und der China in verschiedenen Arten von Fiebern. Bestimmung der Fälle, in welchen sie die China ersezen kann, und in welchen nicht.“

Die Abhandlungen müssen vor Ende Februars 1834 an den Secretär der Société eingesendet, und demselben der Name des Verfassers in einem versiegelten Billete beigeschlossen werden.

Der Preis, eine goldene Medaille 300 Franken werth, wird in der Maisizung 1831 dem Verfasser der gekrönten Preisabhandlung zuerkannt werden. (Journ. d. Pharmacie. Juillet. 1830. S. 422.)

Die Union Encylopédique zu Paris.

Es existirt in England seit 3 Jahren eine Gesellschaft zur Verbreitung nüzlicher Kenntnisse, deren Präsident Hr. Brougham ist, und welche alle Wissenschaften und Künste im Umrisse, und so viel möglich gedrängt, in Form einer Encyclopädie in einzelnen kleinen Bändchen um höchst niedrige Preise herausgibt. Manches ist vortrefflich, manches mittelmäßig und einiges sogar schlecht behandelt, indessen gewinnt die Cultur des Volkes ungemein, indem die Gesellschaft, welcher es bloß um Verbreitung nüzlicher Kenntnisse zu thun ist, keine Buchhändler-Speculation macht, sondern vielmehr den englischen Buchhandel durch die Wohlfeilheit ihrer Ausgaben drükt.

193)

Die Société hätte wohl auch auf das Alter des Baumes; auf die Unterschiede der Rinde vom Stamme an älteren und jüngeren Aesten und Jahrestrieben; auf die Unterschiede zwischen Rinde, Bast und Splint; auf die Unterschiede endlich der Jahreszeit, in welcher die Rinde abgenommen wird, Rüksicht nehmen sollen. A. d. Ue.