Text-Bild-Ansicht Band 37

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auf einem Reibsteine oder in einer Schüssel oder in einem Mörser mit einem Spatel. Nachdem diese Operation geschehen ist, gibt man sie in einen Topf, und sezt derselben eben so viel gut gelöschten Kalk zu, der so dicht geworden ist, daß er sich ballen läßt, und rührt diese Mischung, ohne daß man Wasser derselben zusezt, fleißig durch einander. Man wird auf diese Weise bald eine weiße Farbe erhalten, die sich leichter auftragen läßt, als Oehlfarbe, und weit schneller, als diese troknet. Man muß sie noch an demselben Tage verbrauchen, an welchem man sie angerührt hat, denn sie wird über Nacht zu dik. Man kann Ocher, armenischen Bolus, und alle Erdfarben, die der Kalk vertragt, zusezen, und so dem Holze eine beliebige Farbe ertheilen. Die zugesezte Farbe darf aber, was wohl zu bemerken ist, nur wenig Wasser enthalten, indem sonst der Anstrich an Dauerhaftigkeit verlöre.

Nachdem man zwei Lagen dieses Anstriches aufgetragen hat, kann man denselben mittelst eines Wollenlappens poliren, und er wird glänzen, wie Firniß. Man kann, an einem und demselben Tage, diese zwei Lagen auftragen und poliren, so schnell troknet dieser Anstrich, der gar keinen üblen Geruch hat. Wenn man ihm indessen an Orten, die der Feuchtigkeit sehr ausgesezt sind, noch mehr Haltbarkeit geben will, darf man ihm nur, nach der Politur, eine Deke von Eiweiß geben. Durch dieses Vorsichtsmittel allein wird er sehr dauerhaft. (Journal d. connaiss. usuell. Avril. 1830. Bullet d. Sc. Avril S. 341. Man vergleiche auch den Traité de la peinture au lait, par Cadet de Vaux. Bulletin d. sc. techn. T. III. n. 7.)

Unsere Leser werden sich an den uralten Kitt für Porzellan und Glas aus Kalk und Käse, aus Kalk und Eiweiß vielleicht unwillkührlich erinnert haben, als sie dieses lasen, so wie, wenn sie das 1. Junius-Heft des Polytechn. Journ. l. J. S. 382. gelesen haben, auch an Bachelier's Tünche (badigeon Bachelier). Wir hatten hier also nur eine neue Anwendung einer längst bekannten Sache. Es ist aber noch eine Frage, die des Versuches werth wäre, ob, da man bekanntlich mit Eiweiß und Kalk, mit Käse und Kalk, Trinkgläser und Kaffeeschalen kitten kann, die gebrochen wurden, man nicht auch auf diese Weise einen guten hydraulischen Mörtel bilden könnte? Die Sage, daß der Mörtel zu manchem Wassergebäude mit Milch, mit Käse angerührt wurde, erhielt sich hier und da noch bis auf den heutigen Tag, und wenn Millionen von Lügen in der Welt für bare Wahrheit gelten, so scheint es erlaubt zu zweifeln, ob alles was man für Unwahrheit hält, auch wirklich Lüge ist. A. d. Ue.

Anstrich, um Eisen gegen Rost zu bewahren. Von Hrn. Zeni.

Im Bulletin de la Société d'Encoragement, Janv. 1830, S. 20. Bullet. d. Sc. techn. Avril 1830, S. 132, wird, auf den Bericht des Hrn. Payen, folgender Anstrich des Hrn. Zeni zur Bewahrung des Eisens vor Rost empfohlen.

Man nimmt 80 Theile gestoßenes und durch ein Sieb aus Seide durchgeschlagenes Ziegelmehl und 20 Theile Bleiglätte, reibt diese Mischung auf einem Reibsteine mit Leinöhl zu einem diken Anstriche ab und verdünnt denselben mir Terpentingeist. Ehe man denselben auf das Eisen aufstreicht, muß dieses vollkommen rein gescheuert worden seyn, auch wenn es neu ist.

Hr. Zeni versichert aus zweijähriger Erfahrung, daß Eisen, welches eine doppelte Lage dieses Anstriches erhielt, selbst der täglichen Einwirkung des Meerwassers ausgesezt, von allem Roste befreit blieb.

Papierleimen zum Illuminiren.

Illuminirer, die Abdrüke auf Drukpapier (ungeleimtem Papiere) illuminiren müssen, werden sich mit Vortheil folgenden Leimes bedienen. Vier Unzen (8 Loth) flandrischen Leimes und eben so viel weiße Seife werden am Feuer in einer Pinte (0,6339 Wiener Maß) aufgelöst, und in dieser Auflösung 2 Unzen Alaun zugesezt. Man rührt so lang um, bis dieser aufgelöst ist, und läßt die Auflösung kalt werden. Man streicht sie nach dem Erkalten auf dem Papiere mit einem