Text-Bild-Ansicht Band 37

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Boden getreten sind, findet man noch Geld genug daselbst um eine neue Schule mit zwei Professoren zu gründen, wovon der eine 12,000, der andere 8000 Realen jährlich dafür bezieht, daß er lehrt, wie man Thiere zu Tode martern kann. Diese neue Schule für Tauromaquia (Stiergefechte) wurde Anfangs dieses Jahres zu Sevilla gegründet und eröffnet. (Galignan. 4765.)

Ueber Ausbesserung der Alleen, und eine neue Art von Befriedigung, oder wie man einen Stunden langen Baum ziehen kann.

Die Stürme, welche dieses Jahr auf dem festen Lande von Europa herrschen, haben, wie wir hören, großen Schaden in den Alleen an den Straßen, und auch in regelmäßig gepflanzten Obstgärten angerichtet. Dieser Schaden ist um so trauriger, als er, nach der gewöhnlichen Weise demselben abzuhelfen, sich aus Vierteljahrhunderte hinaus erstrekt, und dem Auge sichtbar bleibt. Die Weise, wie man diesem Schaden bisher abzuhelfen suchte, ist nämlich diese, daß man an die Stelle des alten erwachsenen Baumes einen jungen Baum hinpflanzt, der, ganz natürlich, eine Reihe von 25 und mehr Jahren braucht, bis sein Stamm und seine Krone die Höhe und Dike und Größe seiner Nachbarn erhält. Große alte Bäume zu versezen, ist auf dem festen Lande seit Josephs Zeiten nicht mehr Sitte.

Es gibt indessen ein sehr einfaches Mittel, dem Schaden, welcher durch die oben erwähnten Ereignisse entstand, auf eine kräftigere Weise, als bisher, abzuhelfen; ein Mittel, das die Natur uns alle in jedem Walde lehrt, das aber bisher nur wenige treue Freunde und Beobachter der Natur von ihr lernten und benüzten. Wir sehen nicht selten, daß der Wind in Wäldern an den Bäumen gerade das Gegentheil von demjenigen thut, was er an frei stehenden Bäumen in den Ebenen verübt: während er diese abbricht, macht er jene zusammenwachsen: er reibt die Aeste der nebeneinander stehenden Bäume so lang, er reibt die Stämme der dicht nebeneinander aufgeschossenen Bäume so lang aneinander, bis ihre Rinde wund wird, bindender Saft (das Cambium) aus derselben hervorquillt, und dadurch die Aeste und Stämme aneinander wachsen, und aus zwei und öfters drei Bäumen Ein Baum wird.

Dieses bekannte Spiel der Natur hat, unseres Wissens, bisher noch Niemand für die Baumzucht benüzt, außer ein einziger Mann, der jedoch für Garten-Cultur in Europa mehr leistete, als Tausende vor ihm nicht geleistet haben und Tausende nach ihm nicht wieder leisten werden. Wir meinen hier den großen Gartenmeister an dem Pariser Nationalgarten unter Napoleon, den verstorbenen A. Thouïn unsterblichen Andenkens. Dieser Mann, dessen meisterhafte einzelne Abhandlungen über die Kunst des Pfropfens in den einzelnen Bänden der, in mehr denn einer Hinsicht kostbaren, Annales du Musée et Mémoires du Muséum d'Histoire naturelle zerstreut sind, sind in Deutschland wenig bekannt geworden. Im ersten Bande der Mémoires du Muséum S. 257. lehrte dieser große Gartenkünstler uns eine Methode, wie man aus einer beliebigen Anzahl junger Baumstämme in wenigen Monaten Einen Baum empor kann wachsen machen. Es wird nämlich an den Baumstämmen dort, wo man dieselben sich wechselseitig berühren läßt, die Rinde bis auf den Bast abgelöst, die dadurch entstehenden Wunden werden auf einander festgebunden, und sind in wenigen Monaten fest unter einander verwachsen, so daß man, wenn z.B. zehn oder zwölf junge Baumstämme auf diese Weise untereinander verbunden wurden, man in wenigen Monaten einen Baum von bedeutender Stärke erhält. Dieß ist Thouïn's Greffe Bancks mit welcher Benennung Thouïn das Andenken an den großen Naturforscher und Förderer der Naturgeschichte, Sir Joseph Banks, des ehemaligen Präsidenten der Royal Society zu London, unter den Gartenfreunden erhalten wollte. Thouïn lehrte in demselben Bande der Mémoires S. 417. noch eine andere Methode (Greffe Vilmorin), nach welcher man auf den Stumpf eines abgebrochenen Stammes einen andern schon ziemlich ausgewachsenen Stumpf pfropfen kann. Es wäre sehr zu wünschen, daß der Landwirthschaftliche Verein in seinem Wochenblatte Thouïn's Pfropf-Methoden dem Landvolks bekannt machte. Es gehört nicht viel mehr Kunst zum Pfropfen, als zum Federn schneiden, und ein Knabe, der einmal seine Feder schneiden lernte, kann auch Pfropfen.