Text-Bild-Ansicht Band 37

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Wir ließen uns vier verschiedene Milchproben aus verschiedenen Milchwirtschaften in verschiedenen Gegenden um Paris kommen: eine fünfte nahmen wir unmittelbar von einer Kuh her. Dreihundert Gramm von jeder derselben wurden gewärmt, und mit einer gleichen Quantität Essiges behandelt. Man ließ den dadurch abgeschiedenen käsigen Bestandtheil abtröpfeln, zwischen Bogen weichen Papieres auspressen, und erhielt auf diese Weise von jeder Milchprobe aus den Milchwirtschaften 29 Gramm Käse, und aus der Milch, die frisch von der Kuh herkam, 30 Gramm.

Ein zweiter Versuch gab, bis auf einen kleinen Bruch, dasselbe Resultat. Man nahm diese Menge käsigen Bestandtheiles als Maßstab für die Reinheit der Milch an, mischte andere gleiche Mengen mit der Hälfte ihres Gewichtes Wasser, behandelte sie auf die vorige Weise, und fand, daß man genau nur die Hälfte Käses erhielt.

Bei einem dritten Versuche wurde die Milch mit zwei Mal ihrem Gewichte Wassers verdünnt, und man erhielt genau ein Drittel Käse.

Den lezten Versuch wiederholte man mit einem Zusaze von Zuker zu der gewässerten Milch. Nachdem man den Käse abgeschieden hätte, rauchte man die Molken sorgfältig zur Consistenz eines Extractes ab, behandelte dasselbe mit siedendem Alkohol, filtrirte diesen und rauchte ihn ab, und erhielt auf diese Weise den zugesezten Zuker.

Um die Verfälschung der Milch mit Mandel- oder Hanfsamen, milch zu entdeken, wurden 150 Gramm reiner Milch mit 150 Gramm Mandelmilch gemengt, und der käsige Bestandtheil mittelst Essiges und Hize abgeschieden. Gut ausgepreßt wog er 16 5/16 Gramm. Man machte dann eine andere Mischung, zu welcher man 100 Gran Milch und 200 Gran Mandelmilch nahm. Aus dieser Mischung erhielt man 10 Gramm und 18 Decigramm käsigen Bestandtheiles; eine Menge, welche mit der Normalmenge genau in Verhältniß steht. Ueberdieß läßt sich der käsige Bestandtheil der reinen Milch von jenem, der aus der Milch erhalten wird, welche mit Mandelmilch verfälscht wurde, leicht durch seine Consistenz und durch das Fett unterscheiden, welches lezterer gibt, wenn er einige Zeit über auf weißem Papiere liegt.

Um das Gerinnen und Sauerwerden der Milch, das in heißen Sommertagen so häufig geschieht, zu verhüten, sezen die Milchmänner etwas basisch kohlensaure Soda oder Potasche zu, wodurch die Essigsäure, so wie sie sich bildet, gesättigt wird, also dem Gerinnen oder Abscheiden des käsigen Bestandtheiles vorgebeugt wird. Einige derselben sind in dieser Praxis so glüklich, daß sie in dem allgemeinen Rufe stehen Milch zu verkaufen, die nicht gerinnt. Selbst wenn ein Gerinnen der Milch Statt gehabt hat, stellen sie die Flüssigkeit derselben durch Zusaz einer größeren oder geringeren Menge obiger Alkalien wieder her. Das auf