Text-Bild-Ansicht Band 37

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zu finden, wo die Finanzen am schlechtesten bestellt sind. Die neueste Geschichte vieler Staaten liefert die sprechendsten Beweise für diese traurige Wahrheit.

Wenn man nun die Staatsschuld als den Krebs betrachten muß, der nicht bloß am Marke des Staates, sondern an dem Fleische eines jeden einzelnen Bürgers nagt; der die herrlichsten Unternehmungen im Keime erstikt und die kraftvollsten Ausführungen lähmt; so entsteht die Frage: gibt es kein Mittel, diesem Nationalschaden und dieser Nationalschande abzuhelfen?

Wenn es Menschen gibt, denen die Ehre und das Wohl ihres Vaterlandes mehr werth ist, als eine geringe Entbehrung kleiner eitler Genüsse; so scheint dieses Mittel in der Hand eines jeden Bürgers zu liegen, oder vielmehr in dem Herzen eines jeden Bürgers, wenn es seinem Vaterlande nicht entfremdet wurde.

Wäre, um hier nur in runden Zahlen zu rechnen, von den 4 Millionen Bayern jedes Individuum im Stande 30 fl. zu bezahlen, so waren die 123 Millionen in der Stunde getilgt, wo diese Summe zusammengeschossen und auf den Altar des Vaterlandes gelegt würde.

Wir wollen nicht sagen, daß dieß auch dann noch möglich wäre, wann, von derjenigen Classe von Bürgern an gerechnet, welche jährlich eine Einnahme von 1000 fl. beziehen (die also leicht 3 p. C. entbehren können), die reicheren in demselben Verhältnisse mehr beitrügen, als sie mehr Einkommen besizen.

Wir wollen annehmen, daß unter den 4 Millionen bayerscher Bürger nur Einer unter 25 Einkommen, Vaterlandsliebe und Selbstverläugnung genug besäße, um dem Vaterlande, um der ärmsten Classe seiner Mitbürger, auf welcher vorzüglich die Schuldensteuer von 5 Millionen lastet, eine Spende nur von 30 fl. jährlich darzubringen, so wäre die Schuld von 123 Millionen durch 161,480 bayersche Bürger in 25 Jahren rein abgetragen.

Ist es nun erlaubt zu zweifeln, daß es unter 4 Millionen Bayern auch nur 161,480 Bürger gibt, deren jeder 30 Gulden im Jahre zu dem wohlthätigsten Zweke, den ein Bürger vor Augen haben kann, zu entübrigen und zu verwenden pecuniäres und moralisches Vermögen genug hat?

Wenn wir sehen, daß man in Irland, in Frankreich, in Belgien in wenigen Tagen Millionen zum Untergange und zum Verderben des Landes zusammenzuschießen sich beeilen kann; sollte man nicht annehmen dürfen, daß gute Bürger eben so viel der Erhaltung ihres Vaterlandes opfern können, als schlechte dem Untergange desselben? Wie leicht sind nicht 30 Gulden des Jahres erspart!

Und wenn auch gar kein Sinn für Gutes, Wahres und Schönes