Text-Bild-Ansicht Band 37

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3) aus Obigem offenbar, daß der Wein sich länger und besser in Marmor hält, als in dem porösen Holze; daher sind auch Fässer aus Marmor vorzüglich für edlere ungrische Weine zu empfehlen. Die alten Römer bewahrten ihren Wein in steinernen267) Gefäßen, und die Geschichte lehrt uns, daß die italiänischen Weine sich in diesen Amphoren weit besser erhielten, als heute zu Tage in den Fässern.

4) Wenn die Reife abspringen oder los werden, oder wenn irgend ein Loch im hölzernen Fasse entsteht, so rinnt der Wein aus. Diese Nachtheile haben bei marmornen Fässern nicht Statt.

5) Wenn ein hölzernes Faß leer wird, nimmt es sehr oft einen üblen Geschmak an, der dasselbe für die Zukunft ganz unbrauchbar macht: Marmor hingegen nimmt nie einen Geruch an.

6) Da ein marmornes Faß nie nachgefüllt werden darf, so kann der Eigenthümer sein Faß siegeln und seinen Keller Jahre lang geschlossen halten, ohne fürchten zu dürfen, daß der Wein durch die Nachlässigkeit seiner Hallsleute leidet, oder durch ihre Untreue weniger wird.

7) Bei einem marmornen Fasse ist keine Reparatur nöthig. Die

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Mit Erlaubniß des hochgebornen Hrn. Verfassers waren die Amphoren bei den Römern keine steinernen Gefäße sondern irdene. Amphora cepit institui, currente rotâ cur urceus exit! fragt Horaz. Wir wissen auch aus Plinkus, daß nicht bloß die Amphorae, sondern selbst die Fässer bei den Alten, von Töpfern aus Thon verfertigt wurden: etiam fictilibus doliis ad vina excogitatis, et ad aquas. Propter quae Numa rex septimum collegium figulorum instituit. Quin et defunctos sese multi fictilibus doliis condi maluere, sicut M. Varro.“ Gläserner Amphorae finden wir nur bei Petronius erwähnt, und diese scheinen mit Gyps überzogen gewesen zu seyn, damit sie nicht so leicht brechen; denn er nennt sie gypsatae. Einer steinernen Amphora, der einzigen, die man in der classischen Welt kennt, erwähnt Plinius als eines Weltwunders: Onychem etiamnum in Arabiae montibus, nec usquam aliubi nasci putavere veteres: sudines in Germania. Potoriis primum vasis inde factis, dein pedibus lectorum sellisque. Cornelius Nepos tradit fuisse magno miraculo, cum P. Lentulus Spinter amphoras ex eo chiorum magnitudine cadoruio ostendisset.“ Wie groß ein Cadus ehius war, wissen wir nicht; der römische Cadus hat 72 Sextarios gehalten. Die römische Amphora war 48 Sextarii. Ein Sextarius wird für ein halbes Quart (Nößel) gehalten. Obschon das Wort Amphora (Gefäß mit zwei Henkeln) auch von den classischen römischen Auctoren, seines griechischen Ursprunges ungeachtet, gebraucht wurde, so hatten die Römer doch ein echt lateinisches Wort für Amphora, nämlich Quadrantal; und es ist merkwürdig, die zwei lezten Sylben dieses alt-römischen Wortes Quadrantal noch heute zu Tage in der ungrischen Sprache als Antal erhalten zugehen. Man mißt und kauft den Tokayer in Ungarn nicht Faß- oder Flaschen-Weise, sondern Antal-Weise. Man sagt, daß Pannonien seine Reben durch Probus erhalten habe; da aber die Römer schon früher Pannonien besaßen, so läßt es sich leichter erklären, wie dieses Wort in die ungrische Sprache kam, als wie es sich in derselben erhielt. Wenn des ehrwürdigen guten Reynier de Lausanne Bemerkung richtig ist, daß dort, wo der. Wein in kurzen Neben an kurzen Weinsteken gezogen wird, die Rebe durch Griechen, und wo der Wein in langen Reben an Bäumen und Treillagen gezogen wird, durch Römer zuerst hingepflanzt wurde (was für Italien und für das südliche Frankreich Reynier allerdings gültig erwiesen hat) so hätte Pannonien seine Weine durch die Griechen, und nicht durch die Römer, erhalten. A. d. Ue.