Text-Bild-Ansicht Band 41

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Ueber eine Krankheit der säuerlich-süßen Weine.

In den heißesten Gegenden des Douro bemerkt man, wenn d. r. Sommer sehr heiß war, und die Trauben sehr reif und sehr reich an Zukerstoff wurden, an dem Weine eine Krankheit, die sich durch folgende Erscheinungen kund gibt. Die Gährung tritt schnell ein; sie verläuft sehr schnell und heftig, unter Entwikelung einer großen Hize; allein bald darauf fällt dieselbe mit einem Male, und bringt man den Wein in Fässer, so gährt er nicht, sondern fängt bald an klar zu werden. Vierzehn Tage später wird der Wein oft trüb, verliert einen Theil seiner Farbe, und zeigt, wenn man ihn in der Sonne in einer silbernen Tasse betrachtet, glänzende Hefen, welche sich gegen den Boden zu sezen trachten, er hat zwar noch seinen weinigen Geschmak, allein den Geruch hat er beinahe verloren. Das Schönen desselben ist sehr schwer. Nach einem Monate fängt solcher Wein neuerdings zu gähren an; er verliert seinen Geruch ganz und gar, und bekommt einen säuerlich-süßen, Geschmak, seine Farbe verschwindet und geht in einen Stich in's Ziegelrothe scher; er bleibt immer trüb, und wird nie sauer. Bei der Destillation gibt er keinen Weingeist; trinkt man denselben, so bewirkt er Neigung zum Erbrechen. Ein Zusaz von Branntwein erhöht die Krankheit. – Die Heilmittel dieser Krankheit bestehen in Folgendem: Man mische anfangs, und wenn die Krankheit noch nicht deutlich ausgebildet ist, unreifen, herben und gewöhnlichen Wein unter den kranken,27) lasse ihn dann ab, und schöne ihn oft; nie läßt er sich jedoch ganz wieder auf seinen früheren Zustand zurükführen. Gyps gibt ihm wieder einige Farbe und etwas Geruch, so daß er wenigstens trinkbar wird. (L' Agriculteur-Manufacturier. 1839 November, S. 106.)

Kaffee aus Runkelrüben.

Die Cichorienkaffee-Fabrikanten in der Nähe von Valenciennes kauften voriges Jahr in den Runkelrübenzuker-Fabriken alle jene Rüben, welche für die Fabriken zu klein waren, so wie die Rükstände, die Schweife der Wurzeln etc. auf. Sie bezahlten für 1000 Pfunde 5 oder 6 Franken, und bereiteten daraus, auf dieselbe Weise wie aus den Cichorienwurzeln, Kaffee. Es ist dieß für uns Deutsche keine neue Verwendung dieser Wurzeln, denn schon seit vielen Jahren sahen wir Leute aus der ärmeren Masse in Bayern, Oesterreich, und in dem nach Kaffee durstenden Sachsen gelbe und rothe Rüben klein schmieden, troknen, mit echtem Kaffee mischen und mit diesem rösten. Leute, denen es nur darum zu thun ist, viel Kaffee zu sehen und zu trinken, finden auch solchen schmakhaft. Der Verfasser des Artikels über die Verwendung der Runkelrüben zu inländischem Kaffee im Agriculteur-Manufacturier 1830. Mai S. 74. sagt, daß er sich lang damit beschäftigte aus dem Breie der Runkelrüben Kaffee zu bereiten, jedoch immer ohne Erfolg. Wir bedauern, daß er seine Zeit nicht besser verwendete. Der Brei gab ihm nur eine geringe Menge eines sehr leichten und voluminösen Stoffes, der nicht zum Rösten geeignet war, und dessen wässeriges Extract nur wenig Geschmak besaß. Der Runkelrübenkaffee unterscheidet sich auch im Geschmak von dem Cichorienkaffee, mit welchem ihn die Fabrikanten mischen.

Ueber die Verwandlung des Strohes in Mehl.

Hr. Prof. J. Girardin gibt in den Annales de l'Auvergne einen Aufsaz über die Verwandlung des Strohes in Mehl, der auch in den Agriculteur-Manufacturier Decbre 1850 S. 189 übergegangen. Es geht daraus hervor, daß die Priorität dieser Erfindung, die zufällig auch ein Müller im Departement de la Côte d'Or gemacht hatte, dem Hrn. Maître, dem Gründer der Landwirthschaftlichen Unternehmung zu Vilote bei Châtillon angehöre. Dieser geschikte Oekonom erkannte nämlich, schon vor einem Jahre die Möglichkeit, nicht bloß das Stroh des Getreides, sondern auch jenes anderer Früchte, das Heu,

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Würde man ihn aber über unreife Früchte, z.B. über unreife Stachelbeeren, unreife Johannisbeeren oder unreife Trauben gießen, so würde er nach einigen Wochen wieder ganz gesund werden und wenn er von diesen unreifen Früchten auf reine Fässer wieder abgezogen würde, sich Jahre lang gut erhalten. A. d. R.