Text-Bild-Ansicht Band 50

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um die zweite hölzerne Walze gewunden wurde, ein höchst lebhaftes, schwach bläuliches Weiß dar, welches in der That hinsichtlich des beliebten, gefälligen Ansehens nichts zu wünschen übrig läßt. Ohne Zweifel kann man denselben Glanz auch mit Langmeyer's, vor mehreren Jahren zu Schmiedeberg in Schlesien erfundener Glättmaschine erreichen, wenn man dieselbe einer zwekmäßigen Abänderung unterwirft.50) Die Zinnwalze darf aber hiebei, als bläulichweißen Metallschimmer ertheilende Glättvorrichtung, nicht fehlen. Ja schon das Ersezen der beim gewöhnlichen Kalandern in Gebrauch genommenen eisernen oder stählernen Cylinder, durch zinnerne, oder mit Zinn plattirte bleierne, dürfte hinreichen, der deutschen Leinwand den erwähnten schottischen Glanz zu ertheilen. (Kastner's Archiv Bd. VII. S. 161.)

Lemare's Schuhe und Stiefel.

Hr. Lemare legte der Société d'encouragement zu Paris in einer ihrer dießjährigen Sizungen Schuhe vor, welche er Soulier-socque nennt, und die, wie er sagt, den Vortheil gewähren, daß man sich nicht so leicht mit Koth besprizt, und daß die Füße bei nassem Wetter trokener bleiben. Die Erfindung, welche Hr. Lemare gemacht zu haben glaubt, besteht nun in nichts weiter, als in einer sogenannten gebrochenen Sohle, oder aus vier Absäzen, welche auf die gewöhnliche Sohle aufgenäht oder aufgenagelt werden. Unsere Leser werden sich erinnern, daß diese Sohlen nichts weniger, als eine neue Erfindung sind, sondern daß dieselben, wie wir im Polyt. Journale Bd. VI. S. 76 ausführlich beschrieben haben, bereits vor mehr dann 20 Jahren von dem würdigen Stabsarzte Dr. Braun ausgedacht und empfohlen wurden. Leider scheint es, daß diese höchst nüzliche und der Gesundheit so zuträgliche, Fußbekleidung sowohl bei uns in Deutschland, als anderwärts, gänzlich in Vergessenheit gerathen ist, so daß wir nicht umhin können, diese Gelegenheit zu benuzen, um sie neuerdings jenen zu empfehlen, welche viel und bei jedem Wetter herumzugehen haben, und die es nicht scheuen, trokenen Füßen zu Lieb, ein Paar Loth Leder mehr an sich zu tragen. Die Braun'schen Sohlen verdienen auch wegen der außerordentlichen Schnelligkeit und Wohlfeilheit, mit der sie ausgebessert werden können, alle Berüksichtigung, so daß es sehr zu bedauern ist, daß unsere Militär-Montur-Commissionen gar keine Notiz davon nehmen wollen. Hr. Braun und mehrere seiner Freunde brachten diese Sohlen schon in den lezten Kriegsjahren, d.h. vom Jahre 1809 bis 1815, bei den östreichischen, französischen und anderen Armeen in Vorschlag; nirgends wurden sie aber eingeführt, und wie es scheint lediglich darum, weil es nicht im Interesse der Lieferanten und der einzelnen Commissäre liegt, etwas gut zu finden, wobei an Kosten erspart wird! Wir wünschen sehr, daß Hr. Lemare in Frankreich nun mehr Anklang findet, als der ehrwürdige Dr. Braun in seinem deutschen Vaterlande fand!

Ueber einige Weinkrankheiten und deren Behandlung.

Die Burgunder-Weine, und besonders gewisse Gewächse derselben, sind einer eigenen Krankheit unterworfen. Diese Krankheit, die dem Werthe der Weine bedeutend schadet, ist das Bitterwerden; man nennt solche bitter gewordene Weine auch Wermuthweine (vins absinthés). Das Uebel besteht darin, daß die Weine nicht nur bitter werden, sondern daß sie zugleich ihren Weinstein, und wenn sie roth sind, ihren Farbestoff fallen lassen; die weißen Weine werden hierbei gelb. Um nun solchen Wein wieder herzustellen, soll man ihn auf folgende Weise behandeln. Man nehme auf einen Hectoliter Wein 1 1/2 Quentchen Weinsteinsäure, löse diese in einer geringen Menge,. Wasser auf, und tränke mit dieser Auflösung einiges ungeleimtes Papier. Dieses Papier zerreiße man in kleine Stükchen, die

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Die Schotten bedienen sich höchst wahrscheinlich einer Mange (oder eines Kalanders), welche (nicht aus zwei hölzernen, sondern) aus zwei Papiermaché-Walzen besteht, zwischen denen sich eine Zinnwalze von kleinerem Durchmesser befindet.

A. d. R.