Text-Bild-Ansicht Band 50

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die Erfindung eines in Gebwyler etablirten Engländers de Joung, welche den Flyroving (oder die Spindelbank) ersezen soll. Eine ähnliche Maschine liefert schon seit einiger Zeit Hr. Escher in Zürich, die Joung'sche soll aber noch weit vorzüglicher seyn. So trefflich nämlich die Spindelbank auch war, um eine ganz reguläre Vorspunst zu liefern, und allmählich daher die Laternenstühle verdrängen mußte, so stand doch ihrer allgemeinen Einführung gar sehr ihre Kostbarkeit im Wege, und zudem erforderte sie viel Kraft. Die neue Vorspunstmaschine soll weit einfacher und productiver seyn, und sehr leicht arbeiten.

Rascher vervollkommnete sich die Weberei. Die Schlichtmaschinen verbreiten sich immer mehr, und die meisten Handweber erhalten geschlichtete Zettel. Auch die mechanischen Webstühle vermehren sich zwar; in Mülhausen allein stehen ihrer an 700 und im Elsaß schon einige tausend; vielen genügt aber das Handweben mit mechanisch geschlichteten Zetteln. Wahr ist, daß Maschinenstühle fast das Unglaubliche leisten; eine Weberin kann täglich auf 2 Stühlen (denn mehrere findet man nicht vortheilhaft) 1 Stük von 32 Stäb (à 44'') fertigen. Dann muß sie jedoch sehr fleißig und an 14 Stunden an der Arbeit seyn, und der Fabrikant sie durch besondere Prämien aufmuntern. Einige zahlen z.B. nur 25 C. per Stük. ordentlichen Lohn, aber 8 Franken Prämie, wenn 12 Stük in 2 Wochen geliefert werden. Dabei mag immerhin nur etwas leichte Waare in dieser Quantität herzustellen seyn, und dann nur wenn das Garn vorzüglich gut ist. Denn die Lade thut per Minute 80–90 Schläge; man erhält also per Minute etwa 1'', wenn 20 Schüsse auf 3''' gehen; in 1 Stunde also, wenn sehr wenige Unterbrechung Statt hat, höchstens 1 1/4 Stäb; und zu 16 Stäb oder 1/2 Stük würden demnach 12–14 Stunden erfordert. Gute Callico's haben aber 26–28 Schüsse auf 3''', und 2 Stühle würden daher täglich nur 20–24 Stäbe geben können, und der Handweber kann ebenfalls, hat er eine geschlichtete Kette auf seinem Stuhle, an 10 Stäbe per Tag weben.

Abgesehen nun, daß die Dampfkraft kostbar und nur in großen Webereien anwendbar ist, gewährt die Bequemlichkeit, die Arbeit unterbrechen zu können, immer einen gewissen Vortheil, und macht für Viele einen geringern Lohn zulässig; die Anwendung der Schlichtmaschinen hat hingegen auch bei der Handweberei ausnehmenden Nuzen, und manche Fabrikanten verkaufen daher geschlichtete Zettel. Die Maschine ist noch immer dieselbe.48) Das eigentliche Scheeren

48)

S. Bernoulli über die Baumwollenfabrikation etc. 1825, S. 133.