Text-Bild-Ansicht Band 51

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Selbstentzündung vollkommen erwiesen. Saladin und Carette haben gezeigt, daß sich vegetabilische Stoffe, die in Oehl oder Fett gekocht, und dann einige Zeit über aufgehäuft worden, beim Zutritte der freien Luft entzünden. Sehr merkwürdig ist es, daß die vegetabilischen Substanzen, wenn sie vor der Behandlung mit Oehl noch feucht waren, in Flammen aufgehen; daß sie hingegen ohne Entwikelung von Feuer in Asche verwandelt werden, wenn sie vorher gut getroknet worden.

Die Papierfabrikanten wissen sehr wohl, daß sich die Lumpen in den Gährungsstuben, in welchen sie in Haufen aufgeschichtet liegen, entzünden, wann nicht bei Zeiten die gehörigen Vorsichtsmaßregeln gegen diese Erhizung ergriffen werden. Noch bekannter ist die Erhizung und Selbstentzündung von nassem oder feuchtem Heu. Blieb zufällig ein Stük Eisen, wie z.B. der Zahn einer Heugabel in dem Heuschober, so ist die Entzündung beinahe unvermeidlich. Auch das Getreide entzündet sich zuweilen; doch geschieht dieß weit seltener, weil man es selten so naß aufschichtet, und weil man überhaupt mehr Sorgfalt auf dasselbe verwendet. Tabakfässer erhizen sich gleichfalls zuweilen.

Graf Marozzo erzählte eine Selbstentzündung, die von einer Explosion begleitet war, und welche sich in einem Mehlmagazine zu Turin ereignete. Man schrieb diese Erscheinung den Mehltheilchen zu, die in Folge des Herabfallens eines Haufens Mehl in dem ganzen Magazine in der Luft schwebten, und die sich an der Flamme einer Lampe entzündet haben sollen, gleich wie sich der Berlappsamen, dessen man sich in den Schauspielhäusern bedient, an der Flamme eines Kerzenlichtes entzündet. Dock wurde die Ursache dieser Entzündung nie gehörig erklärt.

Auch von der Selbstentzündung der Wolle gibt es bereits mehrere Beispiele. Man sah schon öfter Stüke Tuch, welche nicht entfettet worden waren, in den Magazinen Feuer fangen, und eben so wurden Wollenzeuge brennend, während man sie auf die Walkmühle führte.

Diese Selbstentzündungen ereignen sich aber immer nur dann, wenn die auf einander geschichteten Substanzen einen gewissen Grad von Feuchtigkeit besaßen; die Zersezung des Wassers durch die höhere Temperatur, welche in Folge der Gährung entsteht, reicht hier zur Unterhaltung der Verbrennung hin. Hieraus mag man abnehmen, wie vorsichtig man bei dem Aufhäufen der Wolleballen, die oft naß ankommen, seyn muß, und wie sorgfältig man darauf zu sehen hat, daß sie gehörig getroknet sind, und daß nicht zu viel auf einander geschichtet wird. Baumwolle und Oehl sollen immer gehörig von einander getrennt aufbewahrt werden; auch soll man erstere nicht in Kellern verwahren, denn hier wird sie feucht, so daß sich in jedem Augenblike wieder die Gefahr