Text-Bild-Ansicht Band 51

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Schwefelsäure und verschloß sie hierauf. Nach acht bis zehn Tagen färbte sich die Flüssigkeit schwach rosenroth: nach drei Wochen war die Farbe verschwunden und das Kupfer behielt seinen Metallglanz.

Den 12. Mai, wo die Flasche geöffnet wurde, konnte man keinen Geruch nach schwefeliger Säure bemerken. Ungefähr einen Monat später sah ich, daß eine kleine Menge einer bräunlichen Substanz die Seitenwände und den Boden der Flasche überzog. Aus der Flüssigkeit hatte sich keine schwefelige Säure entwikelt. Im dritten, vierten und fünften Monat hatte die Menge der braunen Substanz zugenommen und kleine farblose und durchsichtige Krystalle hingen an den Seitenwänden der Flasche. Am Ende des sechsten Monats roch die Flüssigkeit stark nach schwefeliger Saure, worauf ich dieselbe, so wie die Krystalle und das braune Pulver untersuchte.

Die Flüssigkeit, welche kaum gefärbt war, nahm eine schöne blaue Farbe an, als man sie mit Wasser verdünnte und enthielt also wasserfreies schwefelsaures Kupfer.

Die durchsichtigen und farblosen Krystalle lösten sich im Wasser auf, das sie blau färbten; der Luft ausgesezt, wurden sie bald gleichförmig blau: diese Krystalle waren also wasserfreies schwefelsaures Kupfer.

Ich glaubte die bräunliche Substanz müßte Schwefelkupfer seyn und goß sie daher auf ein Filter, süßte sie aus und troknere sie bei Ausschluß der Luft. Mit verdünnter Salpetersäure gelinde erwärmt, lieferte sie eine blaue Flüssigkeit (salpetersaures Kupfer49)) und es blieben graulichweiße Floken zurük, welche von der Flüssigkeit abfiltrirt wurden; getroknet schmolzen sie auf glühenden Kohlen und verbrannten mit blauer Flamme und Entwikelung von schwefeliger Säure; in einer Glasröhre verflüchtigten sie sich in der Hize.

Durch diese Versuche ist es erwiesen, daß schon bei der gewöhnlichen Temperatur die Schwefelsäure durch das Kupfer zum Theil zersezt wird, nämlich in schwefelige Säure und Sauerstoff; lezterer geht an einen Theil des Kupfers und bildet Kupferoxyd, und dadurch entsteht wasserfreies, schwefelsaures Kupfer, weil die Säure concentrirt ist. Die schwefelige Säure löst sich in der Flüssigkeit auf, das Kupfer wirkt aber auch auf diese und zersezt sie in Schwefel und Sauerstoff, wodurch sich einerseits Kupferoxyd und andererseits Schwefelkupfer bildet.

Um mich zu überzeugen, daß dieses wirklich der Hergang ist,

49)

Sollte heißen schwefelsaures und salpetersaures Kupfer, da ein Theil des Schwefels durch die Salpetersäure in Schwefelsäure verwandelt wird. A. d. R.