Text-Bild-Ansicht Band 55

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Zahl der in den englischen Steinkohlengruben umgekommenen Arbeiter.

Nach amtlichen Berichten sind in den Steinkohlenbergwerken von England und Wallis seit dem Jahre 1810, d.h. in 24 Jahren, nicht weniger als 1028 Menschen durch sogenannte böse und schlagende Wetter verunglükt. So groß diese Anzahl ist, so sind die in den großen Kohlendistricten von Durham und Worcester zahlreichen Verunglükten nicht ein Mal mit einbegriffen, indem von jenen Gegenden keine Berichte eingingen. (Mechanics' Magazine No. 582.)

Destillation des Steinkohlentheers zur Gewinnung nüzlicher Producte.

In der Nahe von London gibt es eine Fabrik, die den Steinkohlentheer von der Gasbeleuchtung verarbeitet) der Gallon davon, welcher ungefähr 40 Pfund wiegt, kostet 10 Centimen. Durch die Destillation des Theers und die Rectification der erhaltenen Flüssigkeiten gewinnt man 1) einen Ruß, wovon das Pfund um 36 Sous verkauft wird; 2) einen schwarzen Firniß, wovon das Pfund um 1 Sous verkauft wird, und den man kalt auf Eisen aufträgt; 3) eine fast farblose, aromatische, leichte Flüssigkeit oder Naphtha, wovon der Gallon um (3 Schill. 6 Penny) 4 Fr. 37 Cent, verkauft wird, und die hauptsächlich zum Auflösen des Kautschuks dient. Es kann dieser Fabrik nicht leicht an Steinkohlentheer fehlen, da London allein 200,000 Gasbrenner hat19) und man folglich viele Rükstände erhält.

Folgendes ist der Hergang bei der Destillation. Nachdem der Theer von dem ammoniakalischen Wasser,20) worin er enthalten ist, gesondert wurde, destillirt man ihn bei gelindem Feuer in einem großen Kolben; zuerst erhält man Oehl oder leichten Geist, dann geht eine gelbe körnige Substanz über, von der Consistenz der Butter, aus unreinem Naphthalin bestehend; in dem Augenblike, wo das Naphthalin erscheint, muß man von Zeit zu Zeit die Mündung der Schlangenröhre untersuchen, welche diese Substanz leicht verstopft. Wenn man sie nicht benuzen kann, unterbricht man die Destillation. Der Rükstand in dem Destillirkolben kann durch Vermengung mit anderen Substanzen zu Firnissen, Siegellak etc. gebraucht werden. Die in der ersten Zeit der Destillation übergegangene Flüssigkeit wird nochmals destillirt, wodurch man dann farblosen Steinkohlentheer erhält. Bei dieser Destillation bleibt ein schwarzes dikes Oehl zurük, welches so austroknend ist, daß es allein, oder mit Ruß verbunden, schöne Firnisse liefert. Wenn man das Naphthalin in großen luftdicht verschlossenen Kammern anzündet, erhält man einen Ruß von vorzüglicher Qualität. (Journal des connaissances usuelles, Novbr. 1834, S. 245)

Urtheil der British Association über die Rutter'sche Heizmethode.

Dr. Daubeny brachte am 10. Sept. v. J. bei der chemischen Section der zu Edinburgh versammelten Naturforscher und Aerzte die Rutter'sche Heizmethode mit Steinkohlentheer und Wasser zur Sprache, wobei sich eine Discussion darüber erhob, ob das Wasser chemisch oder mechanisch zur Verbrennung des Theeres mitwirke. Hr. Makintosh bemerkte, daß er aus wiederholten Versuchen fand, daß der Steinkohlentheer beim Verbrennen nicht mehr Hize gäbe, als ein gleiches Gewicht sogenannter Splintkohle, welcher man bekanntlich da den Vorzug gibt, wo eine lange andauernde Hize erforderlich ist. Auch Hr. Low behauptete, daß er aus langer Erfahrung versichern könne, daß die Vermengung des Theeres mit Wasser von keinem Vortheile sey, und daß 3 Gallons oder 33 Pfd. solchen Theeres eben so viel Hize geben, als 40 Pfd. Kohks, welche aus Newcastler Steinkohle erzeugt wurden. Aus den weiteren Debatten über diesen Gegenstand ergaben sich folgende Resultate: 1) Der Theer kann allerdings als Brennmaterial benuzt werden; allein er gibt nicht mehr Hize, als ein gleiches Gewicht der besten Steinkohlen. 2) Vermengt man ihn mit Wasser, so fließt er zwar

19)

Paris hat nur 8000.

20)

Die Benuzung dieses ammoniakalischen Wassers zur Fabrikation von Berlinerblau ist im Polytechn. Journ. Bd. LII. S. 39 beschrieben. A. d. R.