Text-Bild-Ansicht Band 59

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XIV. Ueber das Luftschiff „der Adler“ (l'Aigle) des Hrn. Grafen Lennox. Von Hrn. William Baddeley.15)

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 623.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Ich gebe hiemit eine leicht hingeworfene Skizze von dem Luftschiffe l'Aigle,“ welches gegenwärtig in England das Wunder des Tages ist. Dieses Monstrum von einer Maschine ist das Erzeugniß einiger Individuen in Paris, welche sich im vorigen Jahre daselbst zu einer Gesellschaft verbunden, um eine Luftcommunication zwischen Paris und London zu bewerkstelligen. Nach mehreren Versuchen hielten sich die Theilnehmer so sehr von dem Gelingen ihrer Unternehmung

15)

Wir haben von den früheren Ankündigungen, die von Paris aus über dieses Luftschiff ergingen, keine Notiz genommen, theils weil sich dasselbe bei dem großen Versuche, der im vergangenen Jahre die Bevölkerung von ganz Paris in Bewegung sezte, nicht um eine Linie über den Boden erhob, theils weil zu vermuthen war, daß der ganzen Sache nach französischer Sitte keine weitere Folge gegeben werden würde. Da nunmehr aber, wo die Scene nach England verlegt ist, eher eine Lösung der Frage, sie mag günstig oder ungünstig ausfallen, zu erwarten ist; und da sämmtliche englische Zeitschriften bereits mehr oder weniger Partei dagegen oder dafür genommen haben, so sehen wir uns veranlaßt vorläufig eine beschreibende Notiz über das große Luftschiff nachzutragen, um dann hieran seiner Zeit die weiteren Resultate knüpfen zu können. Wir fügen hier nur noch die Bemerkung bei, daß das Mechanics' Magazine, welches übrigens als antifranzösisch bekannt ist, in einem weiteren hämischen Artikel den ganzen Plan des Hrn. Grafen Lennox für eine Copie jenes Planes erklärte, den Campenas im Jahre 1796 der französischen Regierung vorlegte, und der damals sowohl von dieser, als dem Institut gebilligt wurde. Es drukt als Beweis hiefür einen Brief Campenas's an den damaligen General Bonaparte ab, den wir hier gleichfalls mittheilen. „Bürger-General! – Der Künstler, der sich hiemit an Sie wendet, und der mit Dank für Sie erfüllt ist, wird, wenn ihm die Mittel hiezu bewilligt werden, ein Gebäude aufführen, aus welchem ein Luftschiff hervorgehen soll, welches sich nach jeder beliebigen Gegend steuern läßt, und in welchem Sie mit 200 Kann emporsteigen könnten. Ich selbst biete mich als Pilot hiebei an. Sie könnten sich auf diese Weise über die Flotten unserer Feinde, die unser Glük beneiden, erheben, und nicht nur wie ein Jupiter auf sie herabdonnern, sondern durch herabgeschleuderte, unauslöschliche Feuerbrände ihre Hoffnung mit einem Male zerstören. Vielleicht dürften Sie es aber für besser finden, das brittische Cabinet mit einem Male zur Capitulation zu zwingen, was leicht geschehen könnte, indem es Ihnen mit meinem Luftschiffe leicht möglich seyn wird, ganz London in Brand zu steken. Nach den Berechnungen, welche ich angestellt, bin ich überzeugt, daß Sie mit meiner Maschine in 24 Stunden nach Paris und wieder zurük gelangen können, ohne je unterdessen absteigen zu dürfen. Meine Absicht ist, in dem großen Luftoceane eine allgemeine Schifffahrt zu gründen, welche weit mehr Sicherheit und Vortheile gewähren würde, als die Seeschifffahrt, und welche vollkommene Handelsfreiheit und allgemeinen Frieden herstellen müßte, so daß dadurch alle Nationen gleichsam zu einer einzigen glüklichen Familie verbunden würden. Durch viele Anstrengungen gelang es mir alle die Hindernisse, die meinem Plane im Wege standen, zu besiegen; meine fortwährenden Fortschritte und Verbesserungen werde ich in einem eigenen Werke bekannt machen.“ Was damals in Hinsicht auf Luftschifffahrt geleistet wurde, ist der Welt durch den berühmten Gay-Lussac kund gegeben worden.

A. d. R.