Text-Bild-Ansicht Band 63

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flüssigen Zustand zu verwandeln. Nach den Angaben des Mémorial encyclopédique bestand der Apparat, dessen er sich hiebei bediente, aus einer sehr starken Glasröhre, welche vier parallele Arme hatte oder drei Mal parallel abgebogen war. In den beiden ersteren dieser Arme erzeugte er Wasserstoff, durch dessen Druk das in die anderen Arme gebrachte und durch eine Queksilbersäule von dem Wasserstoffgase getrennte Gas verflüssigt werden sollte. Um das Gas einzuleiten brachte er im Inneren der Röhre vor dem Abbiegen derselben eine Scheidewand aus Wachs an, worauf er die Röhre in die angegebene Form bog, so zwar daß diese Scheidewand in die Nähe der mittleren Biegung kam. Hierauf füllte er den einen Theil mit Queksilber und mit dem zu comprimirenden Gase, worauf dann jenes Ende der Röhre, an welchem dieselben an einander gränzten, vor der Lampe zugeschmolzen ward. Dann wurden in die übrigen Theile der Röhre einzeln Zink und verdünnte Schwefelsäure gebracht, so daß sich jeder dieser Stoffe in einem eigenen Arme befand; und endlich ward die Röhre auch hier vor der Lampe zugeschmolzen. Wenn nun der Zink durch Umkehren des Apparates mit der Flüssigkeit in Berührung gebracht und zugleich auch die Scheidewand aus Wachs geschmolzen wurde, so ward also gleich Wasserstoffgas entbunden, welches das Queksilber und mithin auch das zu comprimirende Gas gegen das Ende der Röhre, die vorher in eine ziemlich feine Spize ausgezogen worden seyn mußte, zurüktrieb. Ist der hiedurch ausgeübte Druk kräftig genug und die Röhre im Stande denselben auszuhalten, so erscheint das Gas in Gestalt eines kleinen Tropfens an dem Ende der Spize. Auf dieselbe Weise kann man nach Hrn. Aimé auch die Kohlensäure anstatt des Wasserstoffgases zur Verdichtung anwenden. Hr. Faraday bediente sich bereits eines ähnlichen Verfahrens; doch wendete er als Compressionsmittel dasselbe Gas an, wie das, welches comprimirt werden sollte. Man brauchte hiebei die Röhre nur zwei Mal abzubiegen, und konnte auch eine größere Menge Gas in flüssigen Zustand verwandeln, indem dasselbe an dem einen Ende in dem Maaße erzeugt ward, als es sich an dem anderen Ende verdichtete. Zur Verdichtung solcher Gase jedoch, welche schwer zu erzeugen sind, verdient das von Hrn. Aimé angegebene Verfahren den Vorzug. Zu bemerken ist übrigens, daß wenn man Sauerstoff, Wasserstoff oder Stikstoff zu verdichten versuchen will, zur Abkühlung jenes Röhrenendes, in welchem das Gas verdichtet wird, am besten jenes Gemenge aus Alkohol und fester Kohlensäure dient, welches Thilorier anwendete, um große Massen Queksilber zum Gefrieren zu bringen. Ueber dieses Verfahren des Hrn. Thilorier verweisen wir übrigens auf das Polytechnische Journal Bd. LXII. S. 226.

Ueber die Benuzung der Waschwasser der Stärkmehlfabriken,

worüber wir im Polyt. Journal Bd. LX. S. 385 die Resultate der von der Société d'encouragement gestellten Preisaufgabe bekannt machten, findet man einen weiteren Bericht des Hrn. Gaultier de Claubry im Bulletin dieser Gesellschaft vom December v. I. S. 457. Es geht daraus hervor, daß man allerdings den in den Waschwassern der Stärkmehlfabriken enthaltenen, der Fäulniß unterworfenen Stoff mit Sumachauflösung leicht und in kurzer Zeit beinahe ganz niederzuschlagen im Stande ist, und daß die rükständige Flüssigkeit mehrere Monate lang aufbewahrt werden kann, ohne eine Veränderung zu erleiden, in Folge deren sie einen unangenehmen Geruch annimmt. Allein, wenn die Frage auch in dieser Hinsicht gelöst ist, so ist sie es noch keineswegs in ökonomischer Beziehung. In einer Fabrik von mittelmäßiger Ausdehnung erhält man nämlich täglich 150 bis 200 Hectoliter Waschwasser. Die Aufsammlung dieser Masse und die Aufbewahrung derselben während der zur Fällung nöthigen Zeit erfordern großen Raum und viele Geschirre; die zur Fällung zu verwendende Substanz veranlaßt eine Auslage, die zwar allerdings unter vielen Umständen weniger lästig und bedeutend ist, als die Auslage für die Bauten, die das gewöhnliche Fabricationsverfahren oft nöthig macht, die aber im Allgemeinen doch mit den erzielten Producten nicht im Verhältnisse steht. Der Preisbewerber Hr. Leduc, hat neuerlich wohl Substanzen angegeben, mit denen sich dasselbe auf viel wohlfeilere Weise erzielen lassen soll; allein noch fehlt es hierüber an hinreichenden Erfahrungen, und damit der Concurrent diese unter seinen mißlichen Verhältnissen fortsezen könne, bewilligte ihm die Gesellschaft eine Unterstüzung von 500 Fr.