Text-Bild-Ansicht Band 72

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bergab umlaufen können, gelöst zu haben. Es besteht bei der Anwendung dieser Sperrräder keine Gefahr des Brechens; ihre Abnuzung ist gering, und die Unterhaltungskosten sind unbedeutend. Die beim Uebersteigen der Gefälle verminderte Geschwindigkeit wird keinen Verlust an der Totalgeschwindigkeit bedingen. Es bedarf keiner stehenden Maschine; denn je nach Umständen wird es die am Fuße des Gefälles anlangende Maschine seyn, welche sich mittelst eines Taues oder einer Kette mitsammt dem Wagenzuge hinaufzieht, um oben ihren Weg fortzusezen; oder wenn sich am Fuße des Gefälles eine Station befindet, wird das Hinaufziehen durch die neue Locomotive bewerkstelligt werden. – Das zweite Problem, nämlich gefahrloses Durchlaufen von Curven mit kleinem Radius ohne Steigerung der Reibung und ohne Verlust an Geschwindigkeit, ward schon von Laignel gelöst, indem er die zu einem Paare gehörigen Räder solidarisch machte, so daß sie nothwendig eine gleiche Anzahl von Umläufen vollbringen mußten, und indem er den Durchmesser des die äußere Curve durchlaufenden Rades dadurch vergrößerte, daß er dessen Ohr auf der Schiene emporsteigen ließ. Nach dem Systeme des Hrn. de Wilback sind die Achsen gebrochen so daß also jedes der Räder die ihm nach den Curven zukommende Geschwindigkeit hat. Die auf geraden Bahnstreken parallelen Achsen werden demnach auf den Curven convergirend und bilden Verlängerungen der Radien dieser lezteren; ihre Stüzpunkte bilden ein Trapez. Die Reibung ist an den Curven genau dieselbe wie an geraden Bahnstreken. Die in Bezug auf die Rotirung von einander unabhängigen Räder sind an jedem Räderpaare in Bezug auf die seitliche Bewegung, welche nöthig ist, um die Achsen convergirend zu machen, solidarisch. Das Getrieb, welches mittelst zweier Zahnstangen die seitliche Bewegung bewerkstelligt, muß sich bei einer Curve mit 10 Meter Radius beiläufig nur um 4 Centimeter, bei einer Curve mit 50 Meter Radius nur um einen Centimeter, und bei einer Curve mit 100 Meter Radius beiläufig um 5 Millimeter drehen. Es hat einen Radius von 35 Millimeter, und die Kurbel, die dasselbe umdreht, hat ihrer 300. Auf einer ebenen Fläche mit Rädern ohne Ohren so gut wie auf den Schienen, durchläuft der Wagen beliebig gerade Linien sowohl als Curven von jedem Radius; auch geht er von den einen auf die anderen über, ohne daß eine Gefahr damit verbunden wäre, und ohne daß eine Zunahme der Reibung oder ein Verlust an der Gesammtgeschwindigkeit damit verbunden wäre.“

Taylor's Wasserbrecher.

Das London Journal gibt in seinem neuesten Januarhefte eine kurze Beschreibung des schwimmenden Wasserbrechers, auf welchen Capitän Joseph Needham Taylor von Red Lion Square in der Grafschaft Middlesex, am 4. Jul. 1838 ein Patent ertheilen ließ. Der neue schwimmende Wasserbrecher soll die Gewalt der Wogen brechen, und dabei nicht so vielen Beschädigungen ausgesezt seyn, wie die gemauerten Wasserbrecher und die feststehenden Pfeiler, die doch auch nicht mehr leisten als ersterer. Die Vorrichtung des Patentträgers besteht aus einem aus starken Bohlen zusammengebolzten Gebälke, dessen Zwischenräume theilweise mit sehr starken Dielen ausgefüllt sind, jedoch so, daß das Wasser zwischen ihnen durchströmen kann. Wären die Dielen zu nahe an einander, so würden leicht einige derselben durch das Wasser aufgehoben werden. Dieser schwimmende Wasserbrecher wird da, wo man seiner bedarf, mittelst einer Kette oder eines Taues fest verankert; er wird die Gewalt der Wogen brechen, ohne bei seiner Nachgiebigkeit selbst darunter zu leiden. Er eignet sich zum Schuze von gemauerten Wasserbrechern, Leuchtthürmen, Festungswerken, Häfen, Ankerpläzen, Doken, Werften, Landungspläzen, Dämmen, Brüken und mannigfachen Wasserbauten. – Hat der Erfinder seine Idee nicht vielleicht auf einer Reise durch den Continent von dem entnommen, was man an unseren Gebirgsströmen zu thun pflegt, wenn sie in ihrer tobenden Wuth ein Ufer bedrohen oder schon zerstört haben? Es ist nämlich bekannt, daß einige Tannenbäume, welche man mitsammt ihren Zweigen an den bedrohten Stellen einhängt, ein treffliches temporäres Schuzmittel gewähren.