Text-Bild-Ansicht Band 72

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Menge des Brennmaterials für den beabsichtigten Zwek genügen werde.

Ad 3) Was endlich die Benuzung der Gichtflamme zur Production des für den Hohofen selbst nöthigen Kohlenbedarfs anbelangt, so hat sich nicht nur die Möglichkeit, sondern auch der große praktische Werth einer solchen Anwendung bereits in der Erfahrung bewährt. Wie hoch sich aber die dadurch erlangten Vortheile belaufen und in welchem Verhältnisse sie zu dem bereits Angeführten stehen, erfordert eine neue Experimentaluntersuchung, welche den Gegenstand einer besondern Arbeit ausmachen wird.

(Aus Poggend. Annal. Bd. XLVI. S. 193–227 im polyt. Centralbl. Nr. 27 und 28.)

LXXXVII. Ein neues vollkommen unschädliches und außerordentlich schnell wirkendes Haarvertilgungsmittel, für Gerber, Pergamentbereiter, Thierärzte etc. anwendbar; vom Dr. Böttger.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

In der Versammlung der Naturforscher und Aerzte in Freiburg trug Böttger eine Abhandlung über die Verbindung des Schwefelwasserstoffs mit Kalkerde vor, sowie über deren Eigenschaft, gleich der Verbindung von Aurumpigment und Aezkalk (Rhusma) in sehr kurzer Zeit das Haar vollständig zu zerstören, und zwar ohne irgend eine nachtheilige Einwirkung auf die Oberhaut auszuüben oder dieselbe anzugreifen. Die Bereitung dieses auflöslichen Salzes erfordert keine besonderen chemischen Kenntnisse, sondern es wird sehr leicht von einem Jeden nach der hier folgenden Vorschrift angefertigt.

Bis jezt wußte man eigentlich nicht, was das Wirksame in dem sogenannten Rhusma ist, welches von einigen Religionssekten zur Entfernung des Barthaars etc. angewendet zu werden pflegt. Directe Versuche haben gezeigt, daß die Verbindung von Schwefelarsenik mit Schwefelcalcium die Eigenschaft allein besizt, das Haar nach kurzer Zeit zu zerstören und die sonst noch beigemengten Stoffe ohne besondere Wirkung sind. Böttger fand, als er die Verbindung von Schwefelwasserstoff mit Schwefelcalcium (Calcium-Sulfhydrat) in dieser Hinsicht prüfte, daß dieser Körper in jeder Beziehung noch weit geeigneter ist, als das Rhusma, die Haarsubstanz zu zerstören, und ohne daß selbst bei längerer Einwirkung dieses Körpers auf die Hautsubstanz, diese auch nur im mindesten davon beschädigt wurde. Nur in dem Falle, wenn sich noch freier Aezkalk in der Mischung befindet, so ist der Erfolg ein anderer, und das einzige Unangenehme