Text-Bild-Ansicht Band 75

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XII. Ueber die Bemessung der Wärme in Hinsicht auf die Qualität der Steinkohlen. Von Dr. Andrew Ure.

Aus dem London Journal of arts. Okt. 1839, S. 98.

Mit einer Abbildung auf Tab. I.

Eine gleiche, durch Einwirkung von Wärme hervorgebrachte Wirkung deutet darauf hin, daß auch eine gleiche Wärmemenge oder eine Wärme von gleicher Kraft gewirkt habe. Wenn z.B. ein Pfund Eisen auf irgend eine Weise von einer Temperatur von 50° auf eine Temperatur von 51° übergeht, so unterlag es einem gleichen erwärmenden Einflusse, die Wärme mag von der Sonne oder einem gewöhnlichen Feuer ausgegangen seyn, sie mag durch unmittelbare Berührung oder durch Ausstrahlung eines heißeren Körpers gewirkt haben. So braucht auch ein Pfund Eis von 32° F. zum Behufe seiner Schmelzung stets eine und dieselbe Quantität Wärme, unter welchen Umständen die Schmelzung auch immer von Statten gehen mag; und ein Pfund Wasser von 212° F. erheischt, um in Dampf verwandelt zu werden, stets eine und dieselbe Wärmemenge, die Verdünstung mag langsam oder rasch von Statten gehen. Von diesem Fundamentalgrundsaze ausgegangen, lassen sich gegebene Wärmequantitäten oder Wärmekräfte miteinander vergleichen, wenn man sie nacheinander zur Erzeugung einer und derselben Wirkung anwenden kann, wie z.B. zur Steigerung der Temperatur einer Masse, zum Schmelzen einer festen Substanz oder zum Verdampfen einer Flüssigkeit. Da jedoch zu diesem Zweke die Wärme aus dem Körper, in dem sie enthalten ist, ausströmen muß, um in den Körper, auf den sie eine bestimmte Wirkung ausüben soll, überzugehen, so ist offenbar, daß wir nie die gesammte oder absolute Quantität des in den Körpern enthaltenen Wärmestoffes vergleichen können. Denn da wir ihnen nie allen ihren Wärmestoff zu entziehen vermögen, so beschränkt sich unser Maaß lediglich auf jene Wärmequantitäten, die wir von einem Körper auf einen anderen übertragen können.

Wir sagen, daß eine Substanz eine größere oder geringere Wärmecapacität besizt, je nachdem sie eine größere oder geringere Menge von Wärme erheischt, um eine bestimmte Veränderung der Temperatur, z.B. von 10 Thermometer-Graden zu erleiden. Diese Quantität der Wärme nennen wir die specifische Wärme eines Körpers. Seine Wärmecapacität wird eine constante genannt, wenn bei gleichen Gewichten gleiche Quantitäten Wärme erforderlich sind, um seine Temperatur, welche diese auch seyn mag, um einen Grad zu steigern,