Text-Bild-Ansicht Band 79

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das Brüchigwerden, wenn es lange Zeit Vibrationen ausgesezt wird, wodurch nicht nur dessen faseriger Bruch in einen körnigen verwandelt wird, sondern dasselbe auch seine zähe Eigenschaft verliert und so brüchig wird, daß Stabe davon selbst mit den bloßen Händen zerbrochen werden können. Dieselbe Eigenschaft erhält es, wenn es bloß zum Dunkelrothglühen erhizt wird, während es durch noch stärkeres Erhizen und durch Hammern seine frühere Eigenschaften wieder erhält.

In Frankreich werden die feinsten Eisendrahte mittelst Silber gezogen, das man durch Queksilber wieder scheidet, welches das Silber auflöst.

Die Alkalien verhüten das Rosten des Eisens und man bedient sich daher zur Aufbewahrung des von Rost befreiten und gescheuerten Eisens häufig eines Teiges aus Aezkalk (gebrannter Kalk) oder aus römischem Cement, der aus 25 Theilen Thon und 75 Th. kohlensauren Kalks (Kalksteins) besteht, womit man dasselbe überschlägt. Auch kann dieß durch das Aufbewahren in gewöhnlichem Wasser, dem eine bestimmte Menge Potasche, nämlich 1/1000stel, zugesezt wird, bewerkstelligt werden. Wendet man aber weniger als 1/1000stel Potasche auf das hiezu bestimmte Wasser an, so tritt durch elektrische Einwirkung theilweise Oxydation (Rosten) ein.89)

In England wendet man zur Verwandlung des Eisens in Stahl ein schwarzes Pulver an, welches nicht mehr als 1/5 Kohle enthält, das übrige besteht aus kohlensaurem Kalk und Unschlitt. Das hiezu bestimmte Eisen wird in Stäben, die in eigens dazu bestimmten Kasten mit demselben in Berührung gebracht werden, mehrere Tage hindurch geglüht. Dieser Stahl ist viel leichtflüssiger als das Eisen und läßt polirt und mit einem Tropfen Salpetersäure (Scheidwasser) berührt einen schwarzen Fleken zurük, welcher durch den Kohlenstoff hervorgebracht wird, der von der Salpetersäure nicht angegriffen wurde. Dieß ist eine Eigenschaft, welche den Stahl vom Eilen unterscheidet.

Während der Stahl durch das Erhizen und Eintauchen in kaltes Wasser (Härten) an Harte gewinnt, was das Eisen nicht mit ihm gemein hat, so bemerken wir für das Messing das Gegentheil, indem dasselbe durch schnelles Abkühlen im Wasser an Sprödigkeit verliert und seine Dehnbarkeit dadurch vermehrt wird. Auf diese Eigenschaft gestüzt, werden die sogenannten Tam Tam, welche die Chinesen Gong oder Loo heißen, verfertigt. Die dazu bestimmten Messingtafeln werden gegossen, gehämmert, erhizt und durch kaltes Wasser schnell abgekühlt, wodurch sie dehnbarer werden und aufs Neue gehämmert werden können. (Dr. Reuß in Riecke's Wochenblatt, 1841, Nr. 7.)

Verkohlung des Schlammes.

Dieß ist ein neuer Industriezweig, dessen Produkte, wenn die Erfahrung die Resultate der ersten Versuche bestätigt, von großem Werthe seyn werden. Hr. Bonnevaille erhielt nämlich ein Patent auf die Verfertigung einer Kohle vorzüglich aus Steinkohle und Schlamm, und hat in seiner im Paludate gelegenen Anstalt schon solche zu fabriciren angefangen. Das neue Brennmaterial wurde in der Glasfabrik der HHrn. Promis bereits mit gutem Erfolge benuzt. Die Schmelzung mittelst der Schlammkohle ging schneller vor sich als mittelst Steinkohle, und mit einer Ersparniß von 15 bis 20 Proc. Die Versuche mit derselben werden in Schmiedewerkstätten, zum Heizen der Dampfmaschinen und in verschiedenen Werkstätten fortgesezt, und dürften, so wie hinsichtlich der Heizkraft in Vergleich mit ihrem Preise, auch in speciellen Beziehungen, wie hinsichtlich des Gewichts, der Gase, des Rauchs, des Rükstandes, der Construction der Herde u.s.f. günstig ausfallen. (Echo du monde savant 1841, No. 606)

Einfaches und leichtes Verfahren der Flachs- und Hanfröstung.

Da die Röstung zum Zweke hat, die schleimige Substanz durch die faule Gährung zu zerstören und die Trennung der nuzlosen Substanz von der Hede (Fadensubstanz) zu erleichtern, so wird man mittelst der von Hrn. Scheid-Weiler,

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Payen im polytechn. Journal Bd. XLVI. S. 267.