Text-Bild-Ansicht Band 83

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übrigens Hr. v. Kobell auch bei seiner bereits seit Jahr und Tag gemachten Erfindung der Galvanographie, deren Ehre ihm nicht minder gebührt als Hrn. v. Hoffmann in Kopenhagen, dem noch unlängst eine königlche Belohnung dafür zugestanden wurde, unter der Bedingung sein Verfahren zu veröffentlichen. Noch bevor dieß geschehen, dürfen wir übrigens hoffen, durch eine reich mit galvanographischen Abbildungen versehene Schrift bald vollständig mit der Kobell'schen Erfindung bekannt zu werden. Wesentlich besteht sie darin, über farbigen, auf einer Kupferplatte aufgetragenen Bildern galvanische Kupferplatten zu erzeugen, welche die Erhöhungen der Farbenlagen vertieft darstellen. Dem Erfinder lag vorzüglich daran, durch die Erfahrung selbst das Vorurtheil zu widerlegen, als könnten nur leitende Körper mit galvanischer Kupfermasse überzogen werden. Denn die Farben, welche zur Galvanographie verwendet werden, sind nichtleitende Körper; und die Kupfermasse über ihnen bildet sich daher theils durch die, auch durch die aufgetragenen Farben hindurch wirkende Kraft der Kupferplatte, auf welche das Bild gemalt ist, theils durch allmählichen Anwachs von den Seiten her. Vorzüglich eignen sich zur Galvanographie die enkaustisch mit Wachs und Damarharz bereiteten Erdfarben, welche ein etwas rauhes Korn haben und matt auftroknen. Die damit bemalte Kupferplatte wird auf die oben angegebene Art versilbert, und dann in den beschriebenen galvanischen Apparat gebracht, wo der beabsichtigte Proceß in unbewegter Stille vor sich geht. Nimmt man von der erzeugten Kupferplatte mit der vertieften Zeichnung durch neuen Niederschlag eine zweite, welche die Vertiefungen der ersteren im Relief darstellt, so kann man diese leztere als Patrize zu galvanischen Drukplatten mit vertiefter Zeichnung in unendlicher Vermehrung verwenden. Hr. v. Kobell verbindet aber auch Stich und Malerei zu einem und demselben Zwek. Er läßt nämlich einzelne, besonders bedeutsame Partien der Zeichnung mit der Radirnadel in eine Kupferplatte vertieft übertragen, und nimmt von dieser Platte durch galvanischen Niederschlag eine zweite, auf welcher jene Theile der Zeichnung erhaben erscheinen. Wird sodann um diese Erhabenheiten her die übrige das Bild ergänzende Malerei mit den erwähnten Farben aufgetragen, und bringt man diese so zubereitete und auch übersilberte Platte in den galvanischen Apparat, so wird die darüber sich erzeugende neue galvanische Platte jene bedeutsamen Partien, wie dieß beabsichtigt war, auch in stärkerer Vertiefung zeigen. Die auf solche Weise gewonnenen, ihrem allgemeinen Charakter nach Aquatintablättern ähnlichen Abdrüke zeichnen sich durch Bestimmtheit der Umrisse und Harmonie vorzüglich ans. (Allg. Ztg.)