Text-Bild-Ansicht Band 94

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Man braucht z.B. nur den Brief zuerst mit einer kleinen gut befeuchteten Oblate zu schließen, nachdem man ein kleines Loch von 1/5 Zoll Durchmesser gerade über der Oblate durch das obere Papier geschnitten hat und bevor man die Oblate niederdrükt auf diese Stelle so viel Siegellak zu tropfen, daß die Oblate vollkommen davon bedekt wird oder eher mehr und sodann mit dem gewöhnlichen Petschaft zu siegeln; dieses Siegel kann dann weder trokene Hize noch Feuchtigkeit öffnen; auch ist trokener Dampf nicht heiß genug, um das Siegellak zu schmelzen.

Auf folgende Weise kann man die Eröffnung der Briefe noch mehr erschweren: man überfährt die Oberfläche des Siegellaks, sobald der Brief gesiegelt ist, mit Terpenthinfirniß, welcher mit etwas Leinöhl vermischt ist; sie bleibt dann klebrig, so daß kein Gypsabguß davon genommen werden kann.

Ein anderes Verfahren bestünde darin, das Petschaft, nachdem man darauf gehaucht hat, in Bronzepulver zu tauchen und dann mit dem Daumen die erhabenen Theile des Petschafts zu überfahren, so daß das Metallpulver nur in den vertieften Stellen zurükbleibt; hierauf aber dasselbe augenbliklich dem heißen Siegellak aufzudrüken. Der Brief ist nun mit einem Siegel versehen, dessen erhabene Stellen mit Bronze überzogen sind. Wollte man von demselben einen Gypsabguß nehmen, so würde natürlich die Bronze davon abgerissen und wenn man das Siegel schmelzen würde, müßte sich die Bronze in der Masse des Siegellaks vertheilen: es dürfte aber kaum ausführbar seyn, nachher wieder Bronze von einem Gypsabguß auf das Siegel aufzutragen.

Folgende Methode, welche auf dem Continent angewandt werden soll, ist ebenfalls zu empfehlen; man schlägt ein Loch von beiläufig 1/4 Zoll Durchmesser mittelst eines Locheisens durch eine gewöhnliche große Oblate und siegelt den Brief wie gewöhnlich mit der angefeuchteten Oblate; ehe man ihn aber schließt, bringt man einen Tropfen kanadischen Balsam in die Höhlung oder das Loch der Oblate und drükt dann das Papier auf sie nieder; hierauf legt man den Brief ein paar Stunden an eine warme Stelle und weder Hize noch Feuchtigkeit wird ihn öffnen.

Das einfachste und dabei sicherste Verfahren bestünde wohl darin, das Briefcouvert an seinem ganzen Rand herum mit einer Auflösung von Kautschuk in Cajaputöhl in der Breite eines schmalen Streifens zusammenzukleben; sobald diese erhärtet, was in einer halben Stunde der Fall ist, ist es unmöglich das Paket zu öffnen, ohne daß Spuren der Gewalt zurükbleiben. Dasselbe kann dann noch auf gewöhnliche Weise gesiegelt werden. (Mechanics' Magazine, 1844 Nr. 1094.)

Ueber die Adhäsion zwischen Leim und Holz.

Es wird bekanntlich behauptet, daß der sogenannte Jeffery'sche Marinekitt, dessen Basis eine Verbindung von Gummilak mit Kautschuk bildet, eine solche Bindungsfähigkeit besizt, daß damit gekittete Holz- oder Metallkugeln, welche aus einem groben Geschüze gegen einen harten Gegenstand geworfen wurden, in den Kittfugen wenigstens unbeschädigt blieben. Hr. Prof. Reichard hatte dazu (in einer Versammlung des Gewerbevereins zu Dresden) bemerkt, daß die Prüfung der Festigkeit dieses Kittes auf die angestellte Weise eine unvollkommene sey, indem sicher auch zwei mit Tischlerleim zusammengefügte Holzkugeln diese Probe aushalten würden. Zur Widerlegung dieser, später durch Hrn. Prof. Reichard vollkommen nachgewiesenen Ansicht, hatte Hr. Dr. A. Petzoldt in dem Gewerbeverein eine Anzahl mit den glatten Flächen sowohl im Längen- als Querschnitte zusammengeleimter Holzstüke zur Stelle bringen lassen, welche er unterhalb der Leimfuge in einem Schraubstoke einspannte und durch einen gegen das obere Stük des Holzes horizontal geführten Schlag mit einem Hammer allerdings so zerschlug, daß sich die Stüke in der Leimfuge trennten. Der Grund hievon ward aber von Sachkundigen darin gefunden, daß durch ein vorheriges scharfes Troknen auf dem Ofen der in der Fuge befindliche Leim zu spröde geworden war und daß auch bei dem Leimen die beiden Holzstüke nicht scharf genug an einander gepreßt worden seyen. Hr. Prof. Reichard führte darauf seine in Bezug auf diesen Gegenstand angestellten Versuche an, wodurch er evident nachwies, daß die Adhäsion zwischen Leim und Holz, vorausgesezt bei gut geleimtem Holze, größer sey als die Cohäsion des Holzes.