Text-Bild-Ansicht Band 94

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durch gelindes Glühen in einem verschlossenen Ofen, welcher mit einer Vorlage zur Verdichtung des etwa zurükgebliebenen Ammoniaks verbunden wird.

Will man die Zersezung des Glaubersalzes durch anderthalb-kohlensaures Ammoniak bewerkstelligen, so muß man in den Cylinder einen Strom kohlensaures Gas unter Umrühren der Mischung leiten, damit alles Ammoniaksalz in doppeltkohlensaures verwandelt wird. (Chemical Gazette, 1844 No. 45.)

Verfahren das Eisen und einige andere Metalle in vollkommen reinem Zustande darzustellen.

Hr. Peligot überschikte Hrn. Dumas eine Quantität metallisches Eisen, welches er durch Zersezung von Eisenchlorür mittelst reinen und trokenen Wasserstoffgases erhalten hatte; das Eisenchlorür (Einfach-Chloreisen) war auf nassem Wege bereitet worden und enthielt folglich keinen Kohlenstoff. Das auf diese Weise gewonnene ganz reine Eisen bildet zum Theil glänzende Oktaëder, zum Theil biegsame und hämmerbare Blättchen. Da das Manganchlorür durch Wasserstoffgas nicht zersezbar ist, so muß aus dem angegebenen Wege bereitetes Eisen auch manganfrei seyn. Auf ähnliche Weise erhielt Peligot das Kobalt in biegsamen Blättern mit Metallglanz; natürlich kann man nach dieser Methode nur solche Metalle in reinem Zustande bereiten, welche wie Eisen, Kobalt, Nikel etc. sehr oxydirbar und zugleich strengflüssig sind.

Hr. Dumas bemerkt über diese (jedoch keineswegs neue) Methode die Metalle durch reines Wasserstoffgas abzuscheiden, daß sie sehr schäzbar sey, weil sich die Chlormetalle sehr leicht durch Krystallisation oder Sublimation in reinem Zustande darstellen lassen; die Metalloxyde hingegen erhält man wegen ihrer Unauflöslichkeit fast immer durch Präcipitation und in amorphem Zustande, daher es meistens schwer ist ihre Reinheit nachzuweisen. Durch Reduction der Metalloxyde mit Kohle erhält man die Metalle fast stets mit Kohlenstoff verbunden, und bei der Reduction der Metalloxyde mit Wasserstoff halten die Metalle immer einige Spuren von den zur Fällung der Oxyde selbst angewandten Alkalien zurük. Diese Uebelstände verschwinden bei der Anwendung von Chlormetallen. (Comptes rendus, Sept. 1844, Nr. 14.)

Ueber die Zersezung des Cyansilbers bei der galvanischen Versilberung.

Man hat beobachtet, daß wenn man sich einer Lösung des reinen Doppelsalzes von Cyansilber mit Cyankalium bedient, die Zersezung sehr schwierig erfolgt, falls die Batterie nicht eine sehr mächtige ist; daß aber durch Zusaz eines kleinen Ueberschusses von Cyankalium der Proceß sehr befördert und ein viel schwächerer galvanischer Apparat völlig ausreichend wird zur Erreichung des Zwekes. Man schrieb dieß gewöhnlich der durch das alkalische Salz vergrößerten Leitungsfähigkeit und einer Art vermittelnden Einflusses desselben auf die Lösung zu. Hr. Napier zeigte aber durch Versuche, daß aller Wahrscheinlichkeit nach die Schwäche des Stroms von der Bildung einer Kruste von Cyansilber an der positiven Elektrode herrühre, wenn die leztere von Silber ist; ist hingegen ein Ueberschuß von Cyankalium vorhanden, so löst sich die erzeugte Kruste sogleich wieder auf und der Strom geht ohne Unterbrechung fort; ist die positive Elektrode von Platin, so findet von dem Allem nichts statt und der Proceß geht mit dem reinen Salz ganz gut vor sich.

Aus Napier's Versuchen geht hervor daß wenn die bei der Zersezung des fraglichen Salzes angewandte galvanische Kraft nicht zu stark, sondern der auszuführenden Arbeit angemessen ist, das Cyansilber allein der Zersezung unterliegt, das Cyankalium aber bloß in Freiheit gesezt wird; wenn hingegen die galvanische Kraft zu stark ist, wird auch lezteres zersezt und am negativen Pol Wasserstoff entwikelt.

Wird eine Lösung des Doppelcyanids elektrolysirt unter Anwendung von Platinplatten, so wird, bei schwachem Strom, das an der positiven Seite entwikelte Cyan von der Lösung absorbirt, welche sich dunkelbraun färbt; bei starkem Strome