Text-Bild-Ansicht Band 94

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oder mit andern Worten, die Dauer der Umwandlung einer gegebenen Quantität Roheisens in Stabeisen in zwei Perioden theilen.

Während der ersten Periode befindet sich das Roheisen in teigigem Zustande am Boden der Höhlung in Berührung mit Eisenoxyd und Kohle; die beiden, aus der vorher gebildeten Luppe erzeugten Anlaufkolben werden darin erhizt; diese Periode dauert eine Stunde bis 75 Minuten; es werden dabei 11/12 des zum Frischproceß angewandten Brennmaterials verbrannt.

In der zweiten Periode wird das Roheisen gehoben, um es zu entschlaken, d.h. um die dem Boden und den Winkeln des Herds anhängenden Schlaken davon abzusondern. Das entschlakte Roheisen wird dem Winde der Form ausgesezt, es erzeugt sich Eisenoxyd und ein Subsilicat desselben. Das so theilweise gefrischte Roheisen fällt wieder auf den Boden des Herdes, wo die Entkohlung nun vollends vor sich geht. Der Arbeiter schreitet jezt zum Garaufbrechen der Luppe, d.h. er vereinigt alle Theile des gefrischten Eisens. Diese Periode dauert 25 bis 30 Minuten und es wird nur 1/12 des zum Frischen erforderlichen Brennmaterials dabei verbraucht.

Worin besteht nun der Unterschied zwischen dem Roh- und dem Stabeisen? Alles ist darüber einig, daß ersteres Kohlenstoff enthält, lezteres aber äußerst wenig. Das Verfrischen des Roheisens bewirkt also die Entkohlenstoffung desselben. Wie geht diese aber vor sich? Lange Zeit glaubte man, daß der Wind der Formen den Kohlenstoff verbrenne; allein im J. 1820 machte einer unserer Collegen (im Dictionnaire des Sciences naturelles, Bd. XVII S. 228) darauf aufmerksam, wie wenig wahrscheinlich dieß ist, wenn man einerseits die große Verbrennlichkeit des Eisens bei der hohen Temperatur, welche das Frischen erfordert und andererseits den geringen Kohlenstoffgehalt des Roheisens berüksichtigt, wonach offenbar mehr Eisen als Kohlenstoff verbrennen sollte; er nahm deßhalb an, daß das Eisenoxyd auf den Kohlenstoff des Roheisens einwirke. Jedenfalls blieb aber die Theorie des Frischprocesses noch auf experimentellem Wege zu beweisen; es mußten die Vorgänge in den verschiedenen Regionen eines veränderlichen Raumes, der nie über 0,6 Meter hoch ist und sich bis auf beiläufig die Hälfte reduciren kann, bestimmt, auch deutlich erklärt werden, wie die Entkohlung durch Verbrennung inmitten der Holzkohle vor sich gehen kann, ohne daß das die Luppe bildende Eisen sich oxydirt oder mit Kohlenstoff verbindet (carbonisirt), und so die Handgriffe des Frischers, welcher seine Zweke erreicht, ohne je von der Wissenschaft geleitet zu werden, folgerichtig gerechtfertigt werden.