Text-Bild-Ansicht Band 97

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Dr. Luther für Wittenberg

Fürst Blücher für Rostock,

Fürst Blücher für Breslau,

Fürst Blücher für Berlin,

König Friedrich Wilhelm I für Gumbinnen,

außerdem noch viele größere und kleinere Büsten und andere Kunstwerke, an deren Ausführung der Dahingeschiedene sehr wesentlichen Antheil genommen.

Es war dem Verewigten von dem Augenblik an, wo er einen selbstständigen Wirkungskreis erlangt, eine Lebensaufgabe geworden, durch den Guß eines großartigen, auf vaterländische Zustande sich beziehenden Bildwerks in Erz seinen Namen als Erzgießer in die Annalen der großen Männer dieses Faches eingetragen zu sehen, und wer wollte nicht diesen Ehrgeiz als ein Product der innigen Vorliebe für sein Fach, und das Bewußtseyn der errungenen Meisterschaft in demselben hoch achten? – Mit wahrer Erhebung gedenkt der Verfasser dieser dem Andenken des Freundes gewidmeten Zeilen der oft wiederkehrenden Augenblike, wo der Heimgegangene mit rührender Begeisterung an Jacobi's Meisterstük. „die Statue des Großen Kurfürsten in Berlin,“ dachte, und in enthusiastischem Eifer das Gelöbniß aussprach:

Wird einst in meinem Vaterlande Friedrich des Großen Monument in Erz dargestellt, muß ich der Gießer seyn, und sollte ich Alles zum Opfer bringen!

Sein höchster Wunsch ist ihm erfüllt worden; er hat seine sich selbst gestellte Lebensaufgabe gelöst, und um so schöner und erhabener gelöst, als der lezte Guß, den er als Meister im Erzguß leitete, in der Nacht vom 34. zum 25. Januar 1845 (der Rumpf des Pferdes mit dem Unterkörper des Reiters und der Plinte, alles in Einem Stük) von der kolossalen Reiterstatue Friedrichs II von Kiß modellirt und für Breslau bestimmt, geschah, und wohlgelungen die Form noch bei seinen Lebzeiten verließ.

Meister Klagemann hat nach diesem nichts mehr in Erz gegossen, aber er verließ mit dem schönen Bewußtseyn seine Arbeitshallen: ich habe meinen Zwek erreicht und meinen Beruf erfüllt!“

Zu jenem schönen Denkmal für Breslau sind alle Hauptstüke noch unter Leitung unsers Dahingegangenen gegossen und theilweise auch ciselirt worden, was noch fehlt, als Reliefs zum Postament etc. wird von seinem Sohn Karl Klagemann mit Eifer und Sachkenntniß ausgeführt, und der Name Klagemann als Erzgießer ist der Nachwelt gesichert. Der verstorbene Vater Klagemann hat eine wakere Stüze und einen thätigen Förderer der Kunst an seinem Sohn Karl gehabt, sich aber auch einen tüchtigen und würdigen Nachfolger erzogen und gebildet, so daß die Reihe der anerkannt gediegenen Stük- und Erzgießer Preußens durch einen Klagemann noch weiter fortgesezt ist; auch dieß Vermächtniß ist keines der geringeren Verdienste des Verstorbenen.

Ehre und hohe Achtung dem hingeschiedenen Meister! – Sein Andenken lebe fort in dem Herzen seiner Genossen, Freunde und Brüder!

C. H.