Text-Bild-Ansicht Band 97

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Außer diesen vier Sorten gibt es noch eine fünfte Sorte Blutegel; diese sind sehr groß, denn sie wiegen manchmal per Tausend Stük bis 10 Kilogr. und werden besonders verkauft; man nennt sie Kuh-Blutegel (Sangsues vaches).

Das Anfüllen der Blutegel besteht darin, daß man sie eine gewisse Menge Bluts einsaugen läßt, um sie größer und schwerer zu machen.

Es wurde vielfach behauptet, daß die nach Frankreich eingeführten Blutegel Blut enthalten, welches ihnen zur Nahrung und damit sie die Reise ertragen, gegeben werde; es ist aber jezt erwiesen, daß die Blutegel von einigen jener Leute angefüllt werden, welche damit handeln, und eine nicht besonders gute Waare mit Gewinn verkaufen wollen; durch diese Anfüllung gewinnen die Blutegel an Ansehen und Gewicht; sie kann in Lyon eben so gut wie in Straßburg und Paris geschehen; die so angefüllten Blutegel werden auf Bestellung versandt oder Hausirern übergeben.

Die Anfüllung der Blutegel geschieht mit möglichst frischem Ochsen-, Kalbs- oder Hammelsblut; man bringt den Blutegel in das Blut und bedekt das Gefäß, er saugt sich mit dem Blut an und nimmt an Größe und Gewicht zu; der vollgesogene Blutegel wird dann gewaschen und in den Handel gebracht.

Die vollgesogenen Blutegel müssen wohl untersucht werden, um sie zu erkennen; denn wenn es auch deren gibt, die schwerfällig und träge sind, so behalten andere doch ihre Lebhaftigkeit bei und bewegen sich im Wasser mit einer gewissen Leichtigkeit.

Wenn die vollgesogenen Blutegel nichts anekelt oder aufregt, so behalten sie das ihnen gegebene Blut vollkommen in sich; ja sie können, wenn sie gesezt werden, noch eine Portion nehmen, wodurch sie verkäufliche Waare, und Arzt und Kranker betrogen werden, welche, indem sie sie anbeißen und saugen sehen, diese Blutegel für rein halten; aber das Blutquantum, welches solche Blutegel einsaugen, ist viel geringer, als wenn dieselben rein gewesen wären.

Obwohl wir wußten, daß die käuflichen Blutegel angefüllt sind, wollten wir uns doch noch besonders davon überzeugen; wir kauften große, mittlere und kleine Blutegel, wogen sie und ließen, den vordern Theil dieser Blutegel zwischen die mit einem Leinentuch umwikelten Finger nehmend, sie bis zum hintern Ende zwischen die Finger hindurchgleiten und sonderten auf diese Weise alles von ihnen verschlukte Blut ab.82)

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Hr. Joseph Martin, welcher in Paris Blutegelhandel treibt, kehrt die Blutegel um wie einen Handschuh, und merkwürdiger Weise können diese umgekehrten und von dem eingesogenen Blut befreiten Blutegel, in ihren ursprünglichen Zustand zurükgebracht, wieder fortleben.