Text-Bild-Ansicht Band 98

Bild:
<< vorherige Seite

mit dem salzsauren Gas) durch einen Sperrhahn oder ein Ventil regulirt wird. Der Zersezungsofen hat die Form eines gewöhnlichen Flammofens, ist aber so construirt, daß das Feuer über die Brüke und unter der Sohle hinziehen kann, daher der Ofen erhizt wird, ohne daß das Feuer oder die Flamme in ihn streicht. Das Innere des so gut als möglich luftdicht gemachten Ofens wird mit Stüken von porösem Bimsstein gefüllt) das Gemisch von Gas und Luft tritt an dem einen Ende ein und an dem anderen Ende zunächst dem Feuer durch eine Röhre in der Deke des Ofens aus. Der zunächst dem Feuer befindliche Theil des Ofens sollte auf heller Rothglühhize erhalten werden, nämlich durch ein außerhalb wirkendes Feuer, wobei der Rauch von der Feuerstelle aus durch Züge über dem Ofen in den Kamin entweicht. Durch die Zersezung des Gasgemisches in der Hize erhält man Chlor, vermengt mit Stikstoff, überschüssiger atmosphärischer Luft und unzersezter Salzsäure; diese Mischung muß abgekühlt werden, indem man sie durch eine Reihe Röhren von Steinzeug leitet, welche mit kaltem Wasser umgeben sind; hierauf wird sie noch durch Wasser geleitet, um die Salzsäure zu absorbiren. Das rükständige Gasgemisch leitet man zur Bereitung von Chlorkalk in die bekannten Kalkapparate, worin das Chlor absorbirt wird; den Stikstoff und die atmosphärische Luft, womit es vermischt war, läßt man daraus in die Luft entweichen.“ (Repertory of patent-Inventions, Okt. 1845, S. 251.)

Analyse eines Leuchtgases.

Th. Richardson hat das aus Steinkohlen bereitete Leuchtgas analysirt, welches in der Stadt Newcastle on Tyne gebraucht wird. Es besteht aus:

I. II.
Oehlbildendem Gas 10,19 9,25
Grubengas 31,35 36,05
Wasserstoff 28,80 30,17
Kohlenoxyd 16,28 11,42
Stikstoff 13,35 14,01
Kohlensäure Spur Spur
Luft 0,48 0,50
Naphthalindampf Spur Spur
Ammoniak Spur
––––––––––––––
100,45 101,40

(Philosophical Magazine, Jul. 1845).

Untersuchung der französischen künstlichen Diamante.

Die künstliche Nachahmung des Diamants hat neuerdings in Paris wieder bedeutenden Aufschwung genommen, und es werden seit etwa zwei Jahren in den Galanteriehandlungen, ja, wer weiß ob nicht auch mitunter von Juwelieren, künstliche Diamante verkauft, welche die bisherigen Nachahmungen, ja selbst die aus Bergkrystall geschliffenen falschen Diamante, die unter den Benennungen Rheindiamante, böhmische Steine vorkommen, im Farbenspiel bedeutend übertreffen; ja in der That ein solches Feuer besizen, daß sie vom Nichtkenner gar leicht für ächte Steine genommen werden können. Es liegen uns Halsbänder, Broschen, Tuchnadeln und andere Schmuksachen von ausgezeichneter Schönheit vor, und schwerlich möchte ein argloser Beschauer anders, als bei unmittelbarer Vergleichung mit ächten Diamanten einen erheblichen Unterschied bemerken.

Das specifische Gewicht der künstlichen Diamante fand sich = 3.9 bis 4, während das der ächten = 3,5 ist. Die Härte liegt zwischen der des Apatits und Feldspaths, und wird ich am genauesten durch die Zahl 5¼ ausdrüken lassen, wenn die Harte des Apatits = 5, jene des Feldspaths = 6 angenommen wird. Sie kommt mit der des gewöhnlichen weißen Glases fast genau überein.

Eine unter meiner Leitung im Laboratorium der höhern Gewerbeschule zu Hannover angestellte Analyse ergab folgende Bestandtheile:

Kieselerde 41,2
Kali 8,4
Bleioxyd 50,4
–––––
100,0.