Text-Bild-Ansicht Band 103

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XXV. Verfahren bei den Daguerre'schen Lichtbildern die glänzenden und dunkeln Töne in gleicher Vollkommenheit hervorzubringen; von Belfield Lefèvre und Léon Foucault.

Aus den Comptes rendus, Oct. 1846, Nr. 15.

Bald nach Daguerre's Entdeckung wurde von Künstlern und Liebhabern die Beobachtung gemacht, daß die jodirte Platte nicht das vollständige Bild jeder Art von Gegenständen wiederzugeben vermag. Die verschiedenen Theile desselben, von einem Gesichtspunkt aus betrachtet, brauchen nur von ziemlich verschiedener Intensität zu seyn, damit in dem auf einer jodirten Platte erhaltenen Bild diese Theile nicht zu gleicher Zeit mit den ihren respectiven Intensitäten entsprechenden Tönen zum Vorschein kommen. Man muß dann wählen – entweder bei dem Punkte stehen bleiben, wo die Lichter ihren wirklichen Werth erhalten, wo dann die Details der dunkeln Stellen nicht zum Vorschein kommen; oder man muß die Einwirkung des Lichts länger fortdauern lassen, um das Hervortreten dieser Details zu befördern, dann aber werden die lichten Stellen ineinander übergehen (verschwimmen) und, wie man zu sagen pflegt, verbrannt erscheinen.

Die Anwendung der den Proceß beschleunigenden Substanzen ist zwar in dieser Hinsicht ein bedeutender Fortschritt. Während sie ein schnelleres Verfahren gestatteten, boten sie zugleich empfindliche Schichten dar, welche in der Scale der Töne weiter auseinanderliegende Grade zu umfassen fähig waren. Doch erreichen diese Grade noch lange nicht diejenigen, welche das menschliche Auge gleichzeitig wahrnehmen kann. Wenn daher irgend eine neue Reaction, ohne die Empfindlichkeit der Platten zu erhöhen, dieselben geeigneter macht den Eindruck der verschiedensten Töne getreu beizubehalten, so dürfte es wohl von Nutzen seyn, in gewissen Fällen dazu seine Zuflucht zu nehmen. Wenn übrigens der Photograph diese verschiedenen empfindlichen Schichten geschickt zu behandeln weiß, ohne sich ausschließlich an die allerempfindlichste zu halten, so kann er in der Ausübung seiner Kunst die Wirkungen in seine Gewalt bekommen und abändern; er kann je nach dem einzelnen Fall, die Harte des in seiner ganzen Fülle auf ungleich reflectirende