Text-Bild-Ansicht Band 104

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durch den Schwamm filtrirt und in der Röhre aufsteigt, worauf man das Filtrat in ein kleines Reagensglas gießt und mit weiterer Probeflüssigkeit versetzt; macht diese es trüb, so gießt man das Filtrat in die zu untersuchende Flüssigkeit zurück und setzt den Proceß fort. Auf diese Art kann man nach kurzer Uebung eine große Genauigkeit erreichen. (Chemical Gazette, April 1847, Nr. 107.)

Surrogat des Cichorienkaffees.

Hr. Lecoq zu Clermont-Ferrand ließ sich am 25. Jun. 1846 für Frankreich auf 5 Jahre folgende Bereitungsart eines solchen Patentiren. Man röstet Mais gerade so wie den Kaffee, aber nicht so lange, und mahlt ihn dann auf gewöhnliche Weise. Das Pulver ist nicht so dunkel wie das von Kaffee, hat aber einen angenehmen Geruch; es besitzt beruhigende Eigenschaften, welche nur durch ein zu starkes Rösten zerstört würden. (Journal de Chimie médicale, März 1847, S. 136.)

Ueber den verschiedenen Klebergehalt des Mehls und die Verfälschung desselben in Frankreich, von J. Barse.

Man muß das Mehl in zwei Classen eintheilen; solches, welches viel Kleber enthält und solches, worin das Stärkmehl vorherrscht.

Mehl, welches nicht 24 Proc. feuchten Kleber enthält, ist zur Brodbereitung untauglich, man müßte es denn mit anderen Substanzen versetzen; das gewöhnliche Mehl enthält 24 bis 34 Proc. feuchten Klebers.

Man vermengt das Mehl (in Frankreich) oft mit Bohnen. Diesen Betrug erkennt man am Geschmack des Mehls und dem eigenthümlichen Geruch, welchen es beim Erhitzen in einer Glasröhre verbreitet. Auch mit Reis, Mais, Stärkmehl, Schminkbohnen, Linsen und Erbsen wird das Mehl versetzt, so verfälschtes Mehl gibt bei der Destillation ein neutrales, saures oder alkalisches Product; einen Zusatz von Kartoffelstärke erkennt man an der dunkelvioletten Färbung des Mehls durch Jodwasser. Auch die Vermengung des Mehls mit 3–4 Proc. gepulverten Knochen, Alaun, Kreide, Gyps oder Kupfervitriol kommt vor; diese Substanzen sind durch Reagentien leicht zu erkennen. Endlich setzt man dem Teig Potasche, Soda oder kohlensaures Ammoniak zu, damit das Brod langsamer austrocknet.

Um diese Betrügereien zu verhüten, empfiehlt der Verf. die Einführung polizeilicher Vorschriften, wonach:

1) Müller, Händler oder Bäcker in Zukunft nur solches Mehl fabriciren, halten, verkaufen oder anwenden dürfen, welches in eine der drei folgenden Classen gehört: die erste Classe begreift das Mehl, welches 30 Proc. und darüber feuchten Klebers (sogenannten Kleber von Beccaria) enthält; die zweite dasjenige, welches 27 Proc. und darüber enthält; die dritte solches, welches 24 Proc. und darüber enthält;

2) bei jedem Mehl müßte, ehe es in den Handel kommt, der Gehalt nach dieser neuen Eintheilung bestimmt werden; alles Brod müßte als Zeichen den Gehalt des Mehls führen, woraus es bereitet wurde;

3) jährlich müßte durch eine besondere Vorschrift bestimmt werden, wie viel Wasser höchstens in das Brod kommen darf;

4) Brod, welches über 10 Proc. Wasser enthält, dürfte nicht verkauft werden. (Journal de Chimie médicale, März 1847, S. 146.)