Text-Bild-Ansicht Band 107

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anderen Vorrichtungen abgeht. Die zwischen den Anker und die Pole des Magnets gelegten Lagen von Papier entsprechen ihrem Zwecke aus leicht zu übersehenden Gründen bei weitem nicht zureichend.

Was Hrn. Fardely's Telegraphen vor denen der beiden anderen einen Vorzug gibt, ist das Arbeiten mit offener Kette – eine Abänderung, welche Hr. Leonhard bei weiter bevorstehenden Constructionen ebenfalls an seinen jetzigen Einrichtungen herbeizuführen gedenkt.

Ein schnelleres Arbeiten ist mit den Telegraphen der HHrn. Fardely und Cramer möglich, aber nach des Obigen Ueberzeugung nur auf Unkosten Wünschenswerther Sicherheit. (Eisenbahn-Zeitung, 1847 Nr. 51.)

Ueber die artesischen Brunnen und die Fauvelle'sche Erfindung zu beschleunigter Bohrung derselben.

Der Brunnen zu Grenelle in Paris und derjenige zu Neu-Salzwerk in Preußisch-Minden haben den Beweis geliefert, daß man in gewissen Tiefen stets Wasser erhält und zwar bei beträchtlichen Tiefen warmes oder heißes Wasser; es erhielt also hiedurch die Theorie über die innere Wärme der Erde eine neue glänzende Bestätigung. Außerdem ist hiedurch die Hoffnung gegeben worden daß die Thermen, welche bisher so sparsam über die Erde ausgebreitet waren, auf künstliche Weise leicht vermehrt werden könnten und so der leidenden Menschheit neue Mittel und Wege zur Heilung der Gebrechen gegeben würden. Diese Hoffnungen sind sehr schön und leicht auszusprechen, bedenkt man aber die Schwierigkeiten welche mit dem Bohren so tiefer Brunnen verknüpft sind, und die enormen Kosten die ein Privatmann nicht zu erschwingen vermag, da man sich in den meisten Fällen auf eine Tiefe von 1500 bis 2000 und noch mehr Fuß gefaßt machen muß, ferner die Länge der Zeit welche zur Bohrung solcher Brunnen erforderlich ist, so werden diese schönen Hoffnungen wieder getrübt, besonders wenn man noch in Betrachtung zieht, daß wenn das Wasser oben nicht ausläuft, am Ende alle Mühe, Kosten und Zeit umsonst seyn können, da der menschliche Geist vorher die Tiefen der Erde nicht zu ergründen vermag und die sogenannten Wasserschmecker, die früher und jetzt noch in manchen Gegenden mit der Wünschelruthe eine so große Rolle spielten, hiebe: nicht zu Rathe gezogen werden können.

Bekanntlich sind die Chinesen die ersten welche artesische Brunnen bohrten; man trifft in China Salzquellen von 1500–1800 Fuß Tiefe, ebenso auch Springquellen von heißem Wasser, das aus ähnlicher Tiefe kommt. Olympiodorus in Alexandrien spricht ebenfalls von Brunnen die man 200, selbst 500 Ellen tief daselbst gebohrt habe; in Europa sind, soviel man weiß, die ältesten zu Modena und in Frankreich, in der Provinz Artois, woher bekanntlich ihr Namen hergeleitet wird. Erst aber seit etwa 60–70 Jahren hat sich das Bohren von artesischen Brunnen überall verbreitet, und seitdem wurde das tiefe Bohren in die Erde überhaupt, nicht allein zu dem Zwecke Brunnen zu erhalten, sondern auch weit häufiger als früher zu bergmännischen Arbeiten, Sondirungen des Terrains u.s.w., besonders zum Auffinden von Steinkohlen angewandt, und die schönste Frucht welche daraus hervorgegangen ist, ohne von den andern wichtigen geologischen Ergebnissen zu reden, ist die Gewinnung der Soolquellen in dem Muschelkalkgebirge, wodurch das Kochsalz, das nöthigste Bedürfniß des Menschen, sowohl als Nahrung als für die Gewerbe von gleicher Bedeutung, nicht mehr zur Nothdurft, sondern zum Ueberflusse geboten wird.

Mit diesen vielen Versuchen hat sich auch das Verfahren immer mehr ausgebildet; wer aber dasselbe gesehen und Kenntniß davon genommen hat, wird sich von der Langsamkeit und Unvollkommenheit in allen Theilen überzeugt haben, besonders wenn man das Ausreinigen des Bohrlochs in Augenschein genommen hat, welches mit dem technischen Ausdruck „Löffeln“ belegt wird und vielleicht eine der langweiligsten Arbeiten ist welche aufzuweisen sind, eine Arbeit die man mit dem Wasserschöpfen der Danaiden vergleichen könnte. Bedenkt man nun es soll ein Brunnen von tausend und mehr Fuß, wie der zu Grenelle von 547 Meter, und der zu Salzwerk welcher mehr als hundert Meter tiefer ist, gebohrt werden, welche lange Arbeit steht hiebei bevor, welche unvorhersehbare Schwierigkeiten müssen überwunden werden