Text-Bild-Ansicht Band 107

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Das Abformen der Füße, ein Mittel zum Anfertigen ganz naturgetreuer Leisten.

Um den Gypsabguß eines Fußes zu nehmen, verfährt man nach Hrn. J. Schöppler in Mainz auf folgende Weise: Man nehme ein Kistchen aus losen Brettchen und binde sie zusammen. Die Größe des Kistchens muß so seyn, daß der Fuß in der Länge und Breite Rahm hat. Die Höhe muß bis zu dem Knöchel des Fußes reichen. Den abzuformenden Fuß bestreicht man mit einer dicken Fettmasse, besonders an den haarigen Stellen, damit der Gyps nicht daran hängen bleibt. Ist diese Vorkehrung geschehen, so wird eine Quantität Gyps mit warmem Wasser zu einem dicken Brei angerührt und in den Kasten geschüttet, hierauf der Fuß bis zu seiner Hälfte hineingestellt, und zwar in schräger Stellung, damit der Gypsbrei nicht über den Zehen zusammenläuft und beinahe bis an den Knöchel geht. Fühlt man, daß der Gyps fest geworden ist, so hebe man den Fuß heraus und lasse die Masse noch ein wenig trocknen. Dann wird der Fuß wieder eingefettet, ebenso die Flächen der gebildeten Gypsform, damit der ferner darauf zu gießende Gypsbrei sich nicht mit der bereits gebildeten unteren Form verbinden kann. Man stellt den Fuß hierauf in die Form hinein, und schüttet von neuem frisch angerührten Gypsbrei in den Formkasten bis zu seinem Rand. Ist der Gypsbrei erstarrt, so nimmt man das Kistchen wieder auseinander und entfernt die beiden Halbformen vom Fuß. Nun wird die hohle Form innen eingefettet, zwischen die Brettchen eingebunden und Gypsbrei hineingegossen. Dieser Einguß muß aber ganz dünnflüssig seyn, damit die Zehen sich gut ausgießen. In diesem Zustande läßt man die Form eine Stunde lang stehen, dann werden die Brettchen abgenommen, die äußere Form mit einer Säge behutsam zerschnitten um sie in Stücken von dem Fußabguß loszumachen. Sollte dabei der Fußabguß beschädigt werden, so läßt sich das leicht wieder ausbessern, indem man an die schadhaften Stellen ein wenig frischen Gypsbrei einstreicht. Nach einem solchen Fußabguß kann ein Schuhmacher einen ganz naturgetreuen Leisten mit Leichtigkeit anfertigen.

Zur Anfertigung von Schuhleisten, mit welchen sich treffliche Fußbekleidungen erzielen lassen, ist es übrigens nicht nöthig, daß der natürliche Fuß dessen, welcher sich Schuhe und Stiefeln machen zu lassen beabsichtigt, stets in Gyps abgeformt wird; es genügt, wenn der Schuhmacher das beschriebene Verfahren zur Studie benutzt, um sich eine genaue Kenntniß vom Fuß und dessen Verrichtungen zu verschaffen. (Böttger's polytechn. Notizblatt, 1848, Nr. 1.)

Ueber einige zur Erwärmung und zum Warmhalten der Wohnungen in Rußland allgemein verbreitete Vorrichtungen, welche zu empfehlen sind.

Bekanntlich wendet man in nördlichen Gegenden weit bessere Mittel an, sich gegen den Frost zu schützen, als in südlichen, so daß man von Reisenden nicht selten mit Verwunderung erzählen hört, sie hätten während eines Aufenthaltes in Italien in den Wohnungen mehr von Kälte zu leiden gehabt, als während eines Aufenthaltes in Rußland. Hr. Fabrikant Werner in Heidelberg, der mehrere Jahre in Rußland gelebt hat, macht mich brieflich auf einige daselbst allgemein übliche Vorrichtungen aufmerksam, die, wenn auch in wissenschaftlicher Beziehung nicht neu, in unsern Gegenden doch wenig bekannt, oder nur in unvollkommener Weise angewendet sind, so daß sich dieselben zur Mittheilung in diesen Blättern eignen dürften.

1) In manchen Gegenden Deutschlands werden die russischen Kamine rund gemacht, ohne daß eigens dazu geformte Backsteine genommen werden; man nimmt vielmehr von den gewöhnlichen Backsteinen und haut sie gehörig zu, wodurch das Mauerwerk nur ganz wenig Verbindung erhält. In Rußland sieht man nie einen runden Schornstein, sondern immer viereckige.

2) In allen russischen Küchen sind keine weiten Schornsteine. Von dem Kochherde geht wie von einem gewöhnlichen Zimmerofen die Röhre einige Fuß höher als der Herd in den Schornstein, über der Röhre, welche in den Schornstein geht, wird