Text-Bild-Ansicht Band 116

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einander stark an. Setzt man den Deckel des Elektrophors auf diese Bögen, so wird er so elektrisch, daß man damit hinreichend starke Funken erhalten kann, um alle Gasmischungen zu entzünden, welche man im Eudiometer zu analysiren pflegt. (Comptes rendus, Mai 1850, S. 612.)

Ueber die Temperatur bei der die Schießbaumwolle sich entzündet; von C. Marx.

Ueber diesen Gegenstand hat Hr. C. Marx in Poggendorff's Annalen Bd. LXXVIII S. 100 eine Reihe von Versuchen und Beobachtungen mitgetheilt, nach deren Ergebnissen sich annehmen läßt:

1) daß die nach bekannter Vorschrift bereitete Schießbaumwolle schon bei 50° R., durchschnittlich aber bei 75° R. verpufft, wenn sie auf diese Temperatur innerhalb 5 Minuten von der gewöhnlichen Lufttemperatur, 16° R. aus, gebracht worden ist;

2) daß die Schießbaumwolle gar nicht explodire, sondern bei 55° R. anfange sich zu zersetzen und in ihrer Kraftäußerung bei fortdauernder Zersetzung sehr geschwächt werde, und endlich ihre Wirkung ganz verliere, wenn die Erhitzung langsam vor sich geht und durchschnittlich 2,5° R. in einer Minute beträgt.

Für die praktische Anwendung der Schießbaumwolle möchte hieraus zu entnehmen seyn: daß beim Transportiren derselben in heißen Tagen große Vorsicht anzuwenden ist, indem eine Temperatur von 50° R. leicht von metallenen Gegenständen angenommen wird, welche längere Zeit in der Sonne gelegen haben, diese aber die Baumwolle innerhalb 2 bis 5 Minuten zur Explosion bringen kann, wenn sie mit ihr in Berührung kommt; und daß beim Transport derselben in nicht dicht verschlossenen Gefäßen, wo solche Wärmegrade langsam auf sie einwirken können, leicht eine Zersetzung eintreten kann, welche ihre Wirkung mindestens sehr schwächen und unregelmäßig machen würde.

Es wurden auch einige Versuche mit explodirendem Schirting und Batist angestellt, welche Stoffe

zerfasert bei 65°,1 R.,
nicht zerfasert bei 60° R.

explodirten, jedoch nur eine langsame Verbrennung und schwache Verpuffung zeigten.

Der Umstand, daß sich die Schießbaumwolle unter begünstigenden Umständen schon bei der gewöhnlichen Sommerhitze entzünden kann, erklärt wenigstens zum Theil die Fälle von Selbstentzündung derselben; man vergleiche die interessanten Angaben von Morin und Maurey im polytechn. Journal Bd. CXI S. 429 und Bd. CXII S. 138.

Entzündung der Schießbaumwolle durch ihr Zusammendrücken mittelst einer Eisenstange.

Aus Swansea (Südwallis) wird folgendes gemeldet. Die Schießbaumwolle-Fabrikanten Hall und Comp. wollten beweisen, daß zum Sprengen in Gruben und Steinbrüchen ihre Schießbaumwolle im Gewichtsverhältniß von 1 : 4 das Pulver an Wirksamkeit übertreffe. Bei kleinen Felsmassen hatte Hr. Wheeler schon den Versuch mit gutem Erfolg angestellt; er ließ nun in eine ungeheure Kalksteinmauer eine Flattermine graben, in welche eine Platform mit 6 engl. Pfunden Schießbaumwolle gebracht werden sollte, entsprechend 36 Pfunden gewöhnlichen Sprengpulvers. Da nun aber die Patrone für das Kaliber des Lochs zu dick war, so mußte sie wieder ausgeleert und die Schießbaumwolle mit einem Stock eingestoßen werden. Einer der Anwesenden bediente sich, um diese Verrichtung zu Ende zu bringen, einer Eisenstange, wodurch sogleich eine furchtbare Explosion erfolgte und mehrere Personen verwundete; am stärksten Hrn. Hopkins Rhys, einen sehr geschickten Bergmann,