Text-Bild-Ansicht Band 129

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in einer Verflüchtigung der Phosphorsäure begründet ist; man kann sich denselben nur so erklären, daß die von Bunce angewendeten Mittel, das pyrophosphorsaure Salz in dreibasisches zu verwandeln, ihren Zweck nicht erreichten.

Darstellung von Ferrocyanwasserstoffsäure.

Wenn man eine kalt gesättigte Lösung von Blutlaugensalz mit ihrem Volum rauchender Salzsäure in kleinen Portionen vermischt, so entsteht, wenn die Salzsäure ganz eisenfrei ist, ein schneeweißer, kalifreier Niederschlag von reiner Ferrocyanwasserstoffsäure. Man kann sie beinahe ohne allen Verlust mit Salzsäure auswaschen. Auf einem Ziegelstein getrocknet, löst sie sich leicht und vollständig in Alkohol und kann daraus durch Ueberschichtung mit Aether und Stehenlassen in schönen salzsäurefreien Krystallen erhalten werden. J. Liebig. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Juli 1853, S. 127.)

Pyrogallussäure im Holzessig.

Professor Pettenkofer hat die Beobachtung gemacht, daß der etwas eisenhaltige Holzessig aus dem Condensationsapparate der Holzleuchtgasanstalten an der Luft eine grüne Farbe annimmt, die durch Zusatz eines Eisenoxydsalzes noch erhöht wird. Gießt man von diesem eisenhaltigen Holzessig einige Tropfen in 1 oder 2 Quart kalkhaltigen Brunnenwassers (es muß so viel kohlensauren Kalk enthalten, daß die freie Säure neutralisirt wird), so färbt sich nach einigen Minuten die Flüssigkeit blau, welche Farbe sich auf Zusatz von Ammoniak in violettroth umwandelt. Der mit etwas Eisenoxydsalz versetzte Holzessig gibt mit Ammoniak eine tiefviolettrothe Flüssigkeit. Die Substanz, welcher diese Farbenreactionen angehören, ist in neutralen Lösungen durch essigsaures Blei fällbar. Hr. August Pauli, Assistent bei Prof. Pettenkofer, hat aus dessen Veranlassung und unter dessen Leitung eine Untersuchung unternommen, und es ist ihm gelungen, den fraglichen Körper zu isoliren. Derselbe ist weiß, krystallisirt in feinen Nadeln, ist sehr leicht löslich in Wasser, Weingeist und Aether, reagirt sehr schwach sauer, reducirt bei gewöhnlicher Temperatur mit größter Leichtigkeit Silbersalze; auf dem Platinbleche erhitzt schmilzt er, verbreitet unter theilweiser Sublimation den Geruch nach frisch sublimirter Pyrogallussäure und gesteht beim Abkühlen wieder zu einer krystallinisch strahligen Masse; er verbrennt mit stark leuchtender Flamme und bietet auch im Uebrigen alle Reactionen der Pyrogallussäure dar. Hr. Pauli wird die Darstellung und Analyse dieses merkwürdigen Bestandtheiles des Holzessigs in Bälde in diesen Annalen veröffentlichen. Bei der großen Bedeutung der Pyrogallussäure für die Photographie ist diese neue Quelle dafür (roher Holzessig enthält etwa 2 pCt. davon) von größtem Interesse. Aus der näheren Untersuchung wird sich auch ergeben, daß der Gehalt des Holzessigs an Pyrogallussäure die Ursache ist, warum bisher in der Färberei die Beize mit holzessigsaurem Eisen nicht durch gewöhnliches essigsaures Eisen ersetzt werden konnte. J. Liebig. (Annalen der Chemie und Pharmacie, August 1853, S. 256.)

Scheidung des Nickels vom Kobalt.

Wenn man das Gemenge der beiden Oxyde in Blausäure und Kali löst, die Lösung im Wasserbade in einer offenen Porzellanschale eine halbe Stunde lang erhitzt, oder noch besser in einem Kolben diese Zeit hindurch im Sieden erhält, so geht das Kobalt in Kobaltidcyankalium, das Nickel in Nickelcyanürkalium über, welchem letztern durch Quecksilberoxyd alles Cyan entzogen und in Folge davon das Nickel als Nickeloxyd gefällt wird, während die Kobaltverbindung durch Quecksilberoxyd