Text-Bild-Ansicht Band 130

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schwarzes Schwefelblei, wodurch das Horn bis zu einer gewissen Dicke schwarz gefärbt wird.63) Diese Methode liefert im Allgemeinen gute Resultate und empfiehlt sich durch große Wohlfeilheit. Sie hat aber den Nachtheil, daß durch die Wirkung des Kalkes die Zähne der feineren Kämme aus gewissen Hornsorten ihre parallele Lage verlieren und dünnere Kämme selbst häufig eine Krümmung annehmen, wodurch dem Kammfabrikanten Schaden erwächst. Ein bei weitem größerer Nachtheil der Methode besteht aber darin, daß die nach derselben gefärbten Kämme, wenn sie in einem feuchten Locale aufbewahrt werden, sich oft schon nach einigen Monaten mit einem weißen Körper überziehen, der durch nochmaliges Poliren nur temporär zu entfernen ist und die Kämme fleckig und unscheinbar macht. Die Bildung dieser weißen Substanz, schwefelsaures Bleioxyd, durch Oxydation aus dem Schwefelblei entstanden, ist besonders bei dem Transport der Kämme zur See wahrgenommen worden.

In der Absicht, eine Schwarzbeize ausfindig zu machen, welch die angeführten Uebelstände nicht besitzt, stellte ich auf Veranlassung des hiesigen Gewerbevereins im verwichenen Sommer eine Reihe von Versuchen an, deren Resultate ich in der Kürze mittheile.

Blauholz- oder Galläpfelbeizen zu benutzen ist nicht rathsam, da beide nur schwierig kalt anzuwenden sind und eine höhere Temperatur die Kämme verdirbt.

Die bekannte Mischung von Blauholzabkochung mit chromsaurem Kali in geeigneter Weise angewendet, gibt zwar auch schon bei einer Temperatur, bei welcher die Kämme nicht leiden, eine genügende schwarze Färbung; die dadurch erzeugte Farbe widersteht aber der Einwirkung verdünnter Alkalien nur unvollkommen.

Es mußten deßhalb Versuche angestellt werden, eine mineralische Schwarzbeize ausfindig zu machen, welche die nachtheiligen Eigenschaften der Kalkbeize nicht besitzt. Unter den schwarzen Schwefelmetallen, die hierzu Anwendung finden konnten, waren das Schwefelsilber, das schwarze Quecksilbersulfid und das Schwefelwismuth die einzigen, die den Einfluß feuchter Luft ohne Oxydation vertragen können.

63)

Warum man die Mennige als Bestandtheil dieser Beize vor anderen Bleipräparaten gewählt hat, ist nicht wohl abzusehen; mit fein gepulverter Bleiglätte, mit Bleioxydhydrat, mit Bleizucker, nicht aber mit kohlensaurem und schwefelsaurem Bleioxyd erhielt ich dieselben Resultate wie mit Mennige. Da die Bleiglätte des Handels als grobes Pulver, die Mennige dagegen als feines Pulver vorkommt, so ist letztere allerdings vorzuziehen.