Text-Bild-Ansicht Band 134

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kann, wird durch die verlangte Güte des Weins ebenfalls bedingt. Auf 100 Maaß Wasser 30–40 Pfund Zucker oder Syrup gibt schon ein Getränk, dessen Stärke dem gewöhnlichen Obstmoste gleich kommt.

Man gibt also zunächst von dem je nach der äußeren Temperatur und nach der Menge der Treber erwärmten Zuckerwasser nur so viel auf die Treber, als diese bedürfen, um von der Flüssigkeit bedeckt zu werden. Zweckmäßig ist es, die Treber in der Bütte mit einem Lattenroste zu bedecken und diesen mit einigen sauber gereinigten Steinen zu beschweren, damit die Treber sich nicht heben und mit der Luft in Berührung kommen, was ihre Säuerung beschleunigen würde. Nach dem Eintritt der Gährung kann dann die übrige zuckerige Flüssigkeit oder nur ein Theil davon und der Rest erst nach dem Keltern zugesetzt werden. Die Hauptgährung ist nach wenigen Tagen vorüber, und man muß dann schnell zum Keltern schreiten, weil der Geschmack des Getränks sonst zu herbe wird. Bei dem Pressen ist große Reinlichkeit dringend nöthig, um jede Veranlassung zur Säuerung zu vermeiden. Die Fässer sind mit dem Treberweine ganz zu füllen und die Luft abzuhalten. Ein Einbrennen mit Schwefel ist aber hier nicht statthaft, weil die Gährung dadurch zu sehr unterdrückt wird und es solchem Treberweine mehr an Hefe, als an Zucker fehlt. Die Fässer sind deßhalb nach dem Einbrennen nochmals mit kaltem Wasser auszuschwenken. Der Treberwein ist später nicht abzulassen, weil nicht zu befürchten steht, daß im Frühjahr eine nachtheilige Gährung eintritt. Man lasse den Wein wo möglich bis zum Eintritt der wärmeren Jahrszeit liegen, weil er im vollen Fasse länger gut bleibt und Anfangs für den Geschmack der Mosttrinker zu viel Süße hat, die aber bis zum Frühjahr nach und nach verschwindet. Setzt man zu einem solchen Weine auf den hiesigen Eimer nur eine Handvoll getrocknete Schlehen, so bekommt der Wein dadurch einen viel kräftigern und angenehmen Geschmack.

Schon Chaptal empfahl die Bereitung solcher Treberweine durch Zusatz von Wasser und Zucker oder Honig. Statt des Honigs, der bei uns meist sehr theuer ist, könnte man auch die beim Aussieden des Wachses gewonnene zuckerige Flüssigkeit verwenden, die im Oberlande bis jetzt zur Gewinnung von Branntwein benutzt wird, was kaum lohnend scheint. Chaptal empfiehlt auch den Zusatz von Weinstein, auf 100 Maaß etwa 1/2 Pfund, weil dieser das natürliche Salz des Weins sey, was dem Nachweine fehlen würde.

Auch die Obsttreber liefern, auf gleiche Weise wie die Weintreber behandelt, einen noch trinkbaren Most. Bei dem hohen Preise des Obsts